Das war’s: Der Tod des Kursbuchs

Fahrplan, Betrieb, Tellerrand, Wissenswertes Von: Daniel Schuhmann

Wer kennt das nicht? Kurz vor dem alljährlichen »großen Fahrplanwechsel« wird es spannend. Ein paar Fahrkartenschalter im Reisezentrum haben den zusätzlichen Hinweis »Kursbuchverkauf« und es bilden sich lange Schlangen. Doch die Zeit währt nur kurz, und schon ist man selbst an der Reihe. Die Frage nach »Abteil oder Großraum« und der gewünschten Wagenklasse stellt sich gar nicht erst, das Objekt der Begierde ist vielmehr die aktuelle Fahrplansammlung, sozusagen der Katalog der Bahn: Das Kursbuch.

Zu Hause wird dann der Schutzumschlag entfernt und der Geruch von Druckerschwärze strömt einem entgegen.

Und dann nichts wie los: »Ersteinmal die wichtigsten Kursbuchstrecken aufschlagen – 900, 930, 946, 860… – und überprüfen, was sich so alles geändert hat. Die Zugnummern sind ja wieder gleich geblieben – Nein, Halt! Der Fresh hat ja ganz neue Nummern. Und der letzte hat in Ingolstadt nicht den üblichen Aufenthalt, da ist Vorsicht geboten! Achso, aber nur in Richtung Nürnberg, okay.«

Das alles gibt es nicht mehr. Die Deutsche Bahn hat sich entschlossen, ab dem Fahrplanwechsel 2008/2009 das große papierne Verzeichnis aller Züge nicht mehr zu drucken. Aus Kostengründen – natürlich – denn der Verkauf der großen Bücher rechnet sich nicht mehr. Zu viele der Bahnkunden suchen sich vielmehr die Fahrpläne im Internet, denn dort gibt es die komplette Zugverbindung vom Startbahnhof bis zum Ziel in Sekundenschnelle. Wer quält sich denn da noch durch die Kursbücher, merkt sich die ganzen Streckennummern und schreibt sich die Ankunftszeiten am letzten Bahnhof auf, da diese nach dem Umblättern schnell vergessen sind?

Viele tun es. Sicherlich planen nur die wenigsten komplette Fernreisen allein mit dem Kursbuch. Doch eine Fahrplantabelle gibt die Übersicht: Wie oft fahren überhaupt Züge auf der Strecke? Welche Zuggattungen sind unterwegs? Wo sind planmäßige Aufenthalte? Was passiert, wenn ich meinen Anschluss verpasse – wann fährt der nächste Zug?

Auch während der Fahrt bietet das Kursbuch unbeschreibliche Vorteile: Soll auf einer Reise schnell umdisponiert werden, können innerhalb kurzer Zeit Alternativrouten erstellt werden. Die beiliegende Karte verrät, ob die Strecke elektrifiziert ist und schafft so auch in unbekannten Gebieten eine ungefähre Vorschau, welche Baureihen jemanden erwarten könnten. Zudem ist das Kursbuch ohne lange Bootzeit stets einsatzbereit, kann auch einmal herunterfallen und funktioniert auch nach acht Stunden »Dauerbetrieb« noch problemlos.

Ein letztes Mal wird es das Kursbuch noch geben: In einer Luxus-Ausgabe mit Silberschnitt, eher geeignet es in’s Bücherregal zu stellen, denn es auf Reisen mitzunehmen. Zum stolzen Preis von 99 Euro…

Mit dem Tod des Kursbuchs stirbt auch ein Stück Bahnkultur. Ganz verschwinden werden aber zumindest die Fahrplantabellen nicht: Unter der Webseite kursbuch.bahn.de wird man auch nach dem Fahrplanwechsel die einzelnen Seiten – nach Kursbuchstreckennummern geordnet – im PDF-Format herunterladen können.


Ein Kommentar zu “Das war’s: Der Tod des Kursbuchs”

  1. Tramgeschichten.de » Blog Archive » Zum Fahrplanwechsel: Bayern-Kursbuch 2009 sagt:

    […] es nach der Deutschen Bahn gegangen, würde es dieses Buch gar nicht gegeben. Im Juni 2008 kündigte sie an, dass das Kursbuch – der »Katalog der Eisenbahn« nicht mehr erscheinen würde, da es in der […]

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