Bombardier: Straßenbahn ohne Oberleitung
Neubaustrecken, Variobahn, Wissenswertes Kommentar schreibenBombardier hat in Bautzen den ersten komplett kontaktlosen und oberleitungsfreien Betrieb einer Straßenbahn präsentiert. Auf einem Testring für Straßenbahnen auf dem Werksgelände von Bombardier wurde das System »Primove« der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Primove-Technologie ist ein neues und weltweit einmaliges System, das auf induktiver Energieübertragung basiert. Es sind keine zusätzlichen Stromschienen im Boden erforderlich.
Ansätze für Betrieb ohne Fahrleitung
Der Wunsch nach einem Straßenbahnbetrieb ohne Fahrleitung ist beinahe so alt wie die elektrische Straßenbahn selbst. Die Pferdestraßenbahn war teuer und personalintensiv, Dampftramways kamen hingegen aufgrund der Geruchsbelästigung nur vereinzelt zum Einsatz. Der elektrische Betrieb hingegen erwies sich als kostengünstig und zuverlässig. Als Nachteil erweist sich hierbei jedoch immer wieder die störende Oberleitung, die auch heute noch – beispielsweise beim Trambahnprojekt durch den Münchner Englischen Garten – die Genehmigung von Neubaustrecken in Gefahr bringen.
Akku-Straßenbahn
Bereits um die Jahrhundertwende fand man mit dem Akkumulator-Betrieb eine mögliche Lösung: Der Betrieb erfolgt weiterhin elektrisch, doch auf die Oberleitung kann verzichtet werden. So wurde bereits zwischen 1900 und 1906 entlang des Münchner Hofgartens eine Akku-Tram eingerichtet – seitens des bayerischen könglichen Hofes war eine Oberleitung unerwünscht. Auch in Gent wurde bereits im Jahr 1897 eine Konzession für den Betrieb einer Akkustraßenbahn erteilt. Die Technik konnte sich jedoch in allen Städten nicht durchsetzen.
Auch heute wird noch mit Akku-Trambahnen experimentiert: Die Münchner Verkehrsgesellschaft bestellte testweise eine Variobahn mit dieser Ausrüstung. Neben Akkumulatoren sorgen heute auch starke Kondensatoren für die schnelle Speicherung der elektrischen Energie.
System APS
Eine andere Alternative stellt das System APS (»Alimentation Par Sol«) dar, das die Straßenbahn Bordeaux mit Citadis-Fahrzeugen der Serien 302 und 402 von Alstom verwendet. Hierbei wird eine Stromschiene in der Mitte des Gleises verlegt, die in acht Meter lange Abschnitte aufgeteilt ist. Zwischen den Abschnitten findet sich eine jeweils drei Meter lange Isolierschicht.
Die Stromschienen führen eine Spannung von 750 Volt und sind normalerweise abgeschaltet, um Passanten nicht zu gefährden. Fährt eine Straßenbahn in diesen Abschnitt ein, sendet sie ein Funksignal aus, womit die Stromschienenabschnitte, die sich unter der Straßenbahn befinden, unter Spannung gesetzt werden und die Bahn mit Energie versorgen.
Das innovative APS-System war vor Kinderkrankheiten nicht gefeit. So gab es besonders in der Anfangsphase häufig Betriebsstörungen, die einen Ersatzverkehr mit Bussen bedingten. Zwar funktioniert das System heute zufriedenstellend, doch stehendes Wasser nach starken Regenfällen sorgt auch heute noch für Probleme. Das System ist wesentlich teurer als ein Oberleitungssystem, und verursacht darüberhinaus höhere Wartungs- und Betriebskosten.
Inhaltsverzeichnis
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- Ansätze für Betrieb ohne Fahrleitung
- Primove-System von Bombardier



23. Januar 2009 um 20:53 Uhr
Vielleicht ist das die neue Idee für die Gartentram?
28. Januar 2009 um 03:42 Uhr
Die eigentlich interessante Information, nämlich wie hoch der Wirkungsgrad ist, wird bei Bombardier verschwiegen. Allgemein gibt es bei der drahtlosen Energieübertragend horrende Verluste, was wohl auch bei dieser Technologie der Grund sein wird, mit den Daten nicht zu sehr ins Detail zu gehen…
3. Februar 2009 um 20:30 Uhr
[...] http://www.tramgeschichten.de/…/ [...]
2. März 2009 um 22:06 Uhr
So wie Du sehe ich das auch Nicolas, der Wirkungsgrad des Systems muss nicht besonders hoch sein.
Halten wir fest: Der Strom in den Fahrwegschleifen erzeugt ein Magnetfeld, das über die Fahrzeugspulen einen Strom induziert, der wiederum in den Elektromotoren Magnetfelder erzeugt.
Da stellt sich für mich durchaus die Frage, warum man nicht gleich wie beim Transrapid den Motor in den Fahrweg baut und das Fahrzeug selbst so leicht wie möglich macht.
3. März 2009 um 11:25 Uhr
Gerold: Die Antwort ist recht einfach: Die Antriebskomponenten werden für den konventionellen Oberleitungsbetrieb gebraucht. Das Primove-System ist ja in erster Linie für kürzere Abschnitte beispielweise in der Altstadt oder in Parkanlagen (bspw. Münchens Englischer Garten) gedacht. Und auch der Wirkungsgrad der Akkutram läge hier deutlich niedriger als beim konventionellen Betrieb.
13. September 2009 um 10:40 Uhr
Man muss das System konsequent zu Ende denken. Leichte Strassenbahnen mit Lithium Ionen Akkus. Reiner Akkubetrieb. Austauch der Batteriepacks am Linienende an automatischen Wechselstationen. Aufladen mit Ökostrom. Vermiedene Investitionen für Oberleitung finanzieren neue Infrastruktur.
2. Oktober 2009 um 19:16 Uhr
[...] an Bushaltestellen und Ampeln vor. Zukunftsmusik? Nö, was bei Dell-Notebooks und Straßenbahnen funktioniert, sollte auch für Stadtautos [...]