Mit der Straßenbahn an der Baustelle vorbei

Baustellen, Bilder, Tellerrand, Wissenswertes Von: Daniel Schuhmann

Bekannt sind sie eher aus Osteuropa, im »Westen« kommen sie nur sehr sparsam zum Einsatz und in München sucht man sie vergeblich: Kletterweichen. Das sind jene flachen Straßenbahn-Weichen, die behelfsmäßig auf das bestehende Gleis gelegt werden, um Züge auf ein anderes Gleis umzuleiten.

Ansicht der Kletterweiche in der Gugelstraße

Ansicht der Kletterweiche in der Gugelstraße

Sinnvoll sind Kletterweichen immer dann, wenn ein einzelnes Gleis einer zweigleisigen Strecke saniert werden muss, wie in der Nürnberger Gugelstraße. Hier wird ein Haltestellenbereich behindertengerecht umgebaut und das Gleis dazu verschwenkt.

Die Kletterweichen sorgen dafür, dass der Straßenbahnbetrieb nicht unterbrochen werden muss, alle Züge können die Strecke wie gewohnt befahren. Lediglich kurze Wartezeiten vor dem eingleisigen Streckenstück können auftreten, zumal die Kletterweichen mit verminderter Geschwindigkeit befahren werden müssen.

Der Einsatz der Kletterweichen wäre auch in München denkbar. So hätte durch Verlegung solcher Weichen die Baumaßnahme in der Barer Straße wesentlich kundenfreundlicher durchgeführt werden können. Das Argument, die Züge würden auf den Kletterweichen entgleisen, kann entkräftet werden: Die VAG setzt mit GT6N, GT8N und Variobahn baugleiche Fahrzeuge wie in München ein und diese befahren die Kletterweichen problemlos.

Die Sicherung des eingleisigen Abschnitts erfolgt über eine LSA, die provisorisch ähnlich einer Baustellenampel eingerichtet wurde. Probleme, dass sich die Züge gegenüberstehen, wie es aus Neuss bei der Rheinbahn gelegentlich berichtet wird, waren hier nicht festzustellen.


4 Kommentare zu “Mit der Straßenbahn an der Baustelle vorbei”

  1. maxi dumler sagt:

    bild nummer 1 is perfekt
    wie der r3 in münchen

  2. Fahrer_82 sagt:

    Ein sehr interessanter Bericht!!! Auch aus Berlin ist das Prinzip der Kletterweichen bekannt – damit werden dort sogar Endhaltestellen (dank Zweirichtungsfahrzeugen) auf der Strecke „simuliert“, wenn Bauarbeiten stattfinden.
    Wirklich schade, dass dieses simple System keine Anwendung bei der MVG findet, immerhin entkräftet das Beispiel der VAG die Münchner Argumente.

  3. FanOfJesusChrist sagt:

    omg die tram in violett und rot – das sieht so ähm komisch aus

  4. Fabian Drexler sagt:

    Die Kletterweichen wurden mit den anderen Gleisen verschweißt. Die Signalanlagen wurden von der BVG ausgeliehen. (Nach Ende der Baumaßnahme fuhr die Variobahn 1207 auch noch gegen die neue Bahnsteigkante)

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