Gibt’s hier Bananen?

Tarif, Tellerrand, Wissenswertes Von: Daniel Schuhmann

Die Bahn feiert 20 Jahre Mauerfall — und sorgt dafür, dass tausende Bahnkunden in den Reisezentren stundenlang anstehen müssen, um das begehrte Mauerfall-Spezial zu ergattern.

Verwaiste Automaten, im Hintergrund stehen die Leute am Schalter

Verwaiste Automaten, im Hintergrund stehen die Leute am Schalter

»Was ist denn hier los?« wundert sich eine Passantin. An den Fahrkartenschaltern außerhalb des Reisezentrums, die an »normalen« Tagen gar nicht wahrgenommen werden, stehen sich die Menschen die Beine in den Bauch. Bis in die Mitte der Halle stehen sie, und es würden sich sicherlich noch mehrere anstellen, wenn nicht der Gosch den Weg versperren würde. Aus Angst um die Tische und Luftballons sperren die Mitarbeiter den Verkaufsstand mit Flatterband ab.

Auch am Servicepoint ist nichts los

Auch am Servicepoint ist nichts los

Und im Reisezentrum? »Nein, hier können Sie nicht rein, auf der anderen Seite bitte« heißt es freundlich von einem DB-Sicherheit-Mitarbeiter. Einbahnstraßenregelung im Reisezentrum, um dem Chaos Herr zu werden. Auch drinnen stehen sie geduldig an, warten gespannt ob es für die Billigtickets um 20 Euro noch Kontingente gibt.

Anstehen im Reisezentrum

Anstehen im Reisezentrum

Standortwechsel: Jenseits der »Mauer«, das Reisezentrum im Dresdener Hauptbahnhof. Die Menschen stehen bis zum Querbahnsteig in der »Kopfhalle« des Bahnhofs.

Anstehen bis zum Kopfbahnsteig

Anstehen bis zum Kopfbahnsteig (Bild: Samuel Muth)

Das Reisezentrum ist nicht schwer zu finden: Immer den Leuten nach (Bild: Samuel Muth

Das Reisezentrum ist nicht schwer zu finden: Immer den Leuten nach (Bild: Samuel Muth

Ärger macht sich keiner breit. Man könnte meinen, man hätte den Eingangsbereich zum Miniatur-Wunderland vor sich. Bahnmitarbeiter verteilen Müsliriegel und kümmern sich rührend um die Kunden. Auch beim Ticketkauf selbst gehen die Mitarbeiter am Schalter auf die Kunden ein und berücksichtigen auch jeden noch so speziellen Verbindungswunsch.

Und im Internet?

Die Buchung im Internet hat den Vorteil, dass man nicht stundenlang in der Kälte am Bahnhof stehen muss. Wer meint, damit Zeit zu sparen, hat sich aber getäuscht. Durch die vielen Zugriffe war das Buchungssystem derart überlastet, dass es längere Zeit nicht möglich war, ein Ticket zu buchen. Zwar wurden alle Verbindungen gefunden und auch der Sparpreis »Mauerfall-Spezial« angezeigt, aber beim Klick zum Kaufen reagierte die Webseite nicht mehr. Erst nach Stunden gelang es der Bahn, zumindest eine entsprechende Fehlermeldung anzeigen zu lassen:

Sehr geehrte Kunden,

durch den großen Ansturm auf unser Aktionsangebot sind unsere Server zur Zeit leider ausgelastet.

Bitte haben Sie etwas Geduld und versuchen Sie es in Kürze noch einmal.
Wir bitten Sie um Verständnis und Entschuldigung.

Ihr Team von www.bahn.de

Alles in allem ist das Mauerfall-Spezial eine schöne Aktion mit fadem Beigeschmack: So sollte die Bahn aus vergangenen Aktionsangeboten gelernt haben. Auch bei Surf & Rail gab es regelmäßig einen Zusammenbruch des Buchungssystems, auch die Angebote von Lidl und Tchibo haben gezeigt, dass der Ansturm bei günstigen Tickets enorm sein kann. Auf lange Sicht wesentlich besser wäre ein einfacheres Tarifsystem mit günstigeren Normalpreisfahrkarten; wie man sieht: der Bedarf ist da…


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