Überführungsfahrt

Allgemeines Von: Daniel Schuhmann

Der D-Wagen 490 konnte heute den Betriebshof 2 in der Einsteinstraße verlassen. Nach der morgendlichen Hauptverkehrszeit, gegen 9:30 Uhr, rückte der Wagen aus. Sehr weit war das Fahrziel nicht entfernt: Der Altwagen wurde in die Hauptwerkstätte, wo sich auch das MVG-Museum befindet, überführt.

D-Wagen 490 auf der Betriebsstrecke zum Haidenauplatz an der Grillparzerstraße (Bild: Michael Greger)

D-Wagen 490 auf der Betriebsstrecke zum Haidenauplatz an der Grillparzerstraße (Bild: Michael Greger)

Eine lange und wechselvolle Geschichte hat der Wagen hinter sich. Erbaut wurde er bereits im Jahr 1911 in der traditionsreichen Fahrzeugschmiede Rathgeber.

Ursprünglich war der Wagen noch der Baureihe C1.6 zugeordnet. Rathgeber war nicht der einzige Hersteller: Die sechs Serien wurden von verschiedenen Waggonbaufirmen beschafft. Eine große Neuerung von damals sieht man dem Wagen heute nicht mehr an: Die Baureihe C erhielt Reihensitze in einer Anordnung, wie wir sie heute aus den M- und P-Wagen kennen.

Der Altwagen am Rosenheimer Platz (Bild: Michael Greger)

Der Altwagen am Rosenheimer Platz (Bild: Michael Greger)

Eine erste Modernisierung erfolgte bereits zwischen 1926 und 1931: Optisch wurden die Wagen an die neueren E-Wagen angeglichen. Sie erhielten Schleppdächer, der Nummernkasten wurde direkt auf das Dach gesetzt. Der Wagen 490 wurde im Jahr 1928 umgebaut, fortan war er unter der Bezeichnung D2.6 als D-Wagen unterwegs.

In Kürze biegt der D-Wagen am Ostfriedhof auf die Gleise der Linie 27 ab (Bild: Michael Greger)

In Kürze biegt der D-Wagen am Ostfriedhof auf die Gleise der Linie 27 ab (Bild: Michael Greger)

Es sollte nicht sein letzter Umbau sein. Im zweiten Weltkrieg wurden 36 der urspünglich 100 Wagen zerstört. Die Wagenknappheit nach dem Krieg zwang weiterhin zum Einsatz der D-Wagen, doch sie waren nicht mehr zeitgemäß: Die offenen Einstiege waren gefährlich, zudem nagte am Holzaufbau der Zahn der Zeit. Die noch verbliebenen 64 Wagen wurden daher ab 1953 grundlegend erneuert: Sie erhielten einen Stahlrahmen und verlängerte Plattformen mit Schiebetüren. Die Seitenfenster wurden den F-Wagen angeglichen. Auch die Längssitze wurden im Zuge dieses Umbaus eingebaut.

Noch wenige Meter bis zur Hauptwerkstatt: Der D-Wagen 490 am einzige Gleiswechsel im Trambahnnetz (Bild: Michael Greger)

Noch wenige Meter bis zur Hauptwerkstatt: Der D-Wagen 490 am einzigen Gleiswechsel im Trambahnnetz (Bild: Michael Greger)

Nach dem Umbau erhielt der Wagen 490 die Bezeichnung D6.6; allerdings war der Materialverschleiß des Fahrgestells recht hoch. 1959 wurde daher das Fahrgestell gegen eins vom Typ 3 getauscht – von ausgemusterten B-Wagen aus dem Jahr 1908. Seither hat der Wagen die bis heute gültige Typenbezeichnung D6.3 erhalten. Der Linieneinsatz des D-Wagens endete erst im Jahr 1972, der Wagen präsentiert sich heute in diesem Erhaltungszustand.

Weitere Informationen des Wagens können den Sammelblättern Historische Straßenbahnen entnommen werden.


3 Kommentare zu “Überführungsfahrt”

  1. maxi dumler sagt:

    beidem gleiswechsel in der aschauerstraße ist aber eine weiche verschweißt (wenn mein blick nicht täuscht)

  2. Stef sagt:

    Da hab‘ ich mich also doch nicht verschaut, als ich morgens das gute Stück von der S-Bahn aus im Betriebshof gesehen hab‘.

  3. TramPolin sagt:

    Mich würde mal interessieren, ob der Gleiswechsel tatsächlich verschweißt oder aber noch einsatzbereit ist. Als ich vor ein paar Monaten vor Ort war, meine ich, gesehen zu haben, dass da nichts verschweißt ist, aber mit Sicherheit kann ich es nicht sagen.

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