Stadtrats-Sitzung zur Westtangente

Neubaustrecken Von: Daniel Schuhmann

Heute fand im Münchner Rathaus die am Samstag angekündigte Sitzung des Stadtrats zur Trambahn-Westtangente statt. Gunnar Heipp, Leiter der Planungsabteilung der MVG, erklärte, dass die Machbarkeit der Tramstrecke bereits in den 90er-Jahren geklärt wurde. Dennoch sind die bisherigen Planungen nur Diskussionsgrundlage.

Die Trambahn im Verlauf einer großen Straße kann sehr schön angelegt sein, wie hier auf der Dachauer Straße im Bereich des Mittleren Rings

Die Trambahn im Verlauf einer großen Straße kann sehr schön angelegt sein, wie hier auf der Dachauer Straße im Bereich des Mittleren Rings

Für Stadtrat Walter Zöller (CSU) ist die Straßenbahn zwar ein bevorzugtes Verkehrsmittel, das für München unerlässlich ist. Dennoch hat die CSU eine ablehnende Haltung gegen die Westtangente, da die Bürger dagegen seien.

So werde die Linie als »Verbindung zwischen Bogenhausen und dem Münchner Süden« gesehen, wo die Bürger lieber die U-Bahn nehmen würden, zudem würden hervorragende Verbindungen der Buslinie 51 unterbrochen werden.

Die MVG hätte hierbei gerne eine Durchbindung der Westtangente auf die Trambahn-Linie 12. Hier müssen allerdings Untersuchungen zeigen, ob Vor- oder Nachteile einer so langen Linie überwiegen: Durch eine entsprechend lange Linienführung ist die Flexibilität eingeschränkt und Verspätungen lassen sich nicht so leicht auffangen, für den Fahrgast ergeben sich durch die längere Linienführung attraktivere Verbindungen.

Gunnar Heipp glaubt nicht, dass sich die Bürger so eindeutig gegen die Trambahn wehren, wie die CSU es darstellt: Noch kann sich keiner wirklich vorstellen, wie die Fürstenrieder Straße mit der Trambahn aussehen wird, hier müssen die Anwohner aufgeklärt und informiert werden, erst dann bildet sich eine vernünftige Diskussionsgrundlage.

Ingo Mittermaier (SPD) erklärt, dass die Trambahn wesentlich schneller und bequemer sein wird, als der Bus 51, eine Tatsache, die als sogenanter »Schienenbonus« schon mehrfach bewiesen wurde.

Demhingegen ist für Robert Brannekämper (CSU) der Wegfall des »begrünten Mittelstreifens« ein Problem, wovor die Anwohner Angst hätten.

Stadtrat Paul Bickelbacher (Die Grünen) hätte wegen einer besseren Zugänglichkeit lieber eine Trambahn in Seitenlage. Die Trambahn unterstützen die Grünen allein schon wegen der hohen Kapazität, die weit größer ist als mit Bussen, was für eine wachsende Region wie München sehr wichtig ist. Ein Beispiel dieser hohen Kapazität zeigt auch Gunnar Heipp auf: Im Bereich Sandstraße auf der Linie 20/21 benötigt die Trambahn gegenüber dem Individualverkehr nur ein sechstel der Ampelphasen für den Transport der gleichen Anzahl von Personen.

Christa Stock (FDP ) gehört ebenfalls generell zu den Befürwortern der Tram, fürchtet aber Verkehrsprobleme in der Fürstenrieder Straße, wenn hier eine Fahrspur weggenommen wird.

Auch Johann Altmann (Freie Wähler) sieht ein Problem in der Begrenzung von Fahrspuren, würde der Tram aber bei zwei durchgehenden Fahrspuren zustimmen; er hält die Trambahn für ein sehr schönes Verkehrsmittel.

Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) signlisiert natürlich Zustimmung zum Projekt. Er verweist auf die Renaissance der Trambahn: Seit 1980 haben 100 Städte weltweit ein neues Trambahnsystem aufgebaut und weitere 100 Städte haben beschlossen, eines zu bauen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Gegenüber den Bussen ist die Trambahn umweltfreundlicher und verfügt über höhere Kapazität, im Vergleich zur U-Bahn ist sie wesentlich günstiger.

Stadtrat Paul Bickelbacher bringt die positiven Aspekte der Trambahn und der Westtangente auf den Punkt:

Um die Mobilität der Münchnerinnen und Münchner auch in Zukunft zu sichern und um die aktuellen Umweltprobleme der Stadt zu lösen, muss der Öffentliche Nahverkehr deutlich verbessert werden. Gerade die Trambahn bietet sich hierfür an, weil sie für vertretbare Kosten eine große Leistungsfähigkeit bietet. In München fehlen bisher vor allem Tangentialverbindungen, die das auf das Zentrum ausgerichtete ÖPNV-Netz ergänzen. Die Grünen haben sich seit langem für die  Verwirklichung der Tram-Westtangtente eingesetzt. Sie ist die passende Lösung für die Verbindung vom Romanplatz zum Ratzingerplatz.  Zusammen mit der kürzlich wieder ins Gespräch gebrachten Nordtangente würde von Bogenhausen bis Obersendling eine durchgängige Verbindung entstehen.

In der Vollversammlung in der kommenden Woche wird weiter über das Projekt Westtangente debattiert werden.

Ein herzlicher Dank geht an Boris Merath für die Informationen von der heutigen Sitzung.


6 Kommentare zu “Stadtrats-Sitzung zur Westtangente”

  1. Stefan sagt:

    @ Herr Brannekämper (CSU):

    Wo bitte gibt es einen begrünten Mittelstreifen auf der Fürstenrieder Straße? Oder hat er sich vertan und meint das zukünftige Rasengeis? … das hoffentlich kommt … Es kann nur schöner werden hier!

  2. Daniel Schuhmann sagt:

    Bei genauem Hinsehen ist etwas Grün zu erkennen im ersten Bild 🙂

  3. Rickay sagt:

    Ich hab’s mal mit Maps.Google überprüft (nur auf die Schnelle zwischen Laimer Kreisel und der Ammerseestraße):
    Hier beträgt der grüne Mittelstreifen bereits etwa
    2,5 km²(auch wenn er an der schmalsten Stelle gerade mal einen Meter breit ist). Ich habe stellenweise erhebliche Vegetation entdeckt (ich vermute selbst angesiedelt); mindestens 10 Bäume fallen der Größe nach unter die Baumschutzverordnung.
    Fast nicht zu glauben, wie „GRÜN“ die Fürstenriederstraße ist! 🙂

  4. Futter für die Stadträte « Ansichten aus dem Millionendorf sagt:

    […] und Aidenbachstraße nimmt nach langen Jahren des Planungsstillstands konkrete Züge an. Im Stadtrat wurde das Projekt diskutiert. Die Vorzeichen waren klar: die rot-grüne Stadtratsmehrheit ist für […]

  5. Gerold sagt:

    Als notorischer bekennender Autofahrer bin ich für den Ausbau des Münchner Straßenbahnnetzes auch in der stark befahrenen Fürstenrieder Straße. Schließlich freue ich mich über jeden Mitbürger, der sein Auto zu Hause lässt und den Verkehr entschärft. Dennoch sollten drei Kriterien erfüllt sein:
    + Durch die Straßenbahn dürfen nicht wie in München leider oft üblich, neue Unfallschwerpunkte entstehen, die vor allem das Linksabbiegen zum Risiko machen.
    + Es darf keine Ampelschikanen geben, dass die komplette Kreuzung auf rot gestellte wird, wenn die Tram kommt.
    + Eine Straßenbahn auf einem separatem Mittelstreifen halte ich auch für eine antiquierte Idee aus dem letzten Jahrhundert: Es ist eine sinnlose Verschwendung wertvoller Verkehrsfläche. In jeder Richtung geht ein Fahrstreifen verloren, der nur alle 10 Minuten benutzt wird! Besser wäre es die Tram in Seitenlage (gemeinsamer Streifen mit Autoverkehr) entlang des Gehsteigs zu führen und die Ampeln so zu schalten, dass der Verkehr mit der Tram mitschwimmt, bzw. der Querverkehr grün erhält, wenn die Tram an der Haltestelle steht.

  6. Stef sagt:

    @Gerold: Es stimmt natürlich, dass die Mittelstreifen-Idee ziemlich suboptimal ist. Dein Vorschlag würde allerdings bedeuten, dass gerade der wichtigste Vorteil gegenüber dem Bus – die erhöhte Reisegeschwindigkeit – regelmäßig verlorenginge, weil sich dann die Trambahn an der Geschwindigkeit der vorausfahrenden Fahrzeuge orientieren müsste; darüberhinaus ist die erlaubte Maximalgeschwindigkeit im Straßenplanum gegenüber einem eigenen Fahrkörper herabgesetzt. Eine wesentlich bessere Lösung wäre es, alle Parkplätze entlang der Trasse in Rasengleis umzuwandeln, was allerdings eine akute Widerstandswelle erwarten lässt. Um dieses zu verhindern, müsste man wieder Fahrspuren zugunsten von Stellplätzen zurückbauen. Konstruktive Vorschläge werden also immer eine Reduktion der MIV-Fahrspuren im größten Teil der Fürstenrieder Str. beinhalten.
    Dass Fahrspuren gerade in einer dicht bebauten Stadt als „wertvolle Verkehrsflächen“ bezeichnet werden, mag ja an sich sehr edel sein; wenn ich aber an die jetzige Situation denke, kann ich mich bei dieser Bezeichnung nicht erwehren, ihr einen sarkastischen Unterton zu entnehmen; schließlich lautet eine alte Weisheit nicht umsonst „Der Verkehr breitet sich dort aus, wo man ihm Platz gibt“. Es dürfte also durchaus im Sinne von Anwohnern und Nutzern (egal mit welchem Verkehrsmittel) sein, hier die Zahl der Fahrspuren zu verringern.
    Und dass die Beschleunigung öffentlicher Verkehrsmittel (sollte sie auch mal ordentlich funktionieren!) ihren Sinn hat, brauche ich hoffentlich nicht zu erläutern.
    Außerdem glaube ich nicht, dass hier nur alle 10′ gefahren werden wird.

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