Westtangente: Presseschau

Neubaustrecken Von: Daniel Schuhmann

Die Trambahn-Westtangente — ein Thema, das polarisiert. So unterschiedlich wie die Stimmen von SPD und CSU, so unterschiedlich ist auch die Berichterstattung in der Presse.

Presseschau (Quelle: tommyS / Pixelio)

Presseschau (Quelle: tommyS / Pixelio)

Ein Überblick über die heutigen Veröffentlichungen.

Süddeutsche Zeitung

Die Süddeutsche Zeitung titelt euphorisch: »Ein hervorragendes Verkehrsmittel«:

Nun kann die Planung offiziell beginnen: Der Stadtrat hat am Mittwoch mit rot-grüner Mehrheit den Grundsatzbeschluss für den Bau der Tram-Westtangente durch die Fürstenrieder Straße gefällt. CSU, FDP und Freie Wähler stimmten in der gemeinsamen Sitzung des Planungs- und Wirtschaftsausschusses gegen das Projekt – sie befürchten lange Staus in der derzeit fast autobahnähnlichen Laimer Verkehrsschneise.

tz München

Die Münchner tz wählt als Aufmacher »Der große Tram-Krach«:

Die CSU blieb beim strikten Nein zu dieser Linie: Sie behindere den Kfz-Verkehr. Über die Hoffnung, durch die Tram werde die trennende Wirkung der Straßen gemildert, amüsierte sich Planungssprecher Walter Zöller. Er betonte allerdings, seine Fraktion halte die Straßenbahn grundsätzlich durchaus für ein sinnvolles Verkehrsmittel: „Aber nicht überall.“ Die neun Kilometer lange Trasse vom Romanplatz bis zur Aidenbachstraße „stößt bei der Bevölkerung auf breiteste Ablehnung“, so Zöller, der in seiner 38-jährigen Stadtratszeit auch schon eine Tram abgebaut hat […] Die abgebaute Tram war die 17er, woran OB Christian Ude genüsslich erinnerte. Rot-Grün habe sie wieder zum Leben erweckt. „Die CSU war immer gegen das nächste Projekt“, so Ude, der ihre Bekenntnisse zur Tram nicht mehr glaubt.

Abendzeitung

Positiver gibt sich die Abendzeitung: »Fünf neue Projekte: Die Renaissance der Tram«:

Die 8,7 Kilometer lange Strecke führt durch fünf Stadtbezirke und soll 17 Haltestellen bekommen – darunter Romanplatz, Wotanstraße, Fürstenriederstraße, Boschetsriederstraße, Ratzingerplatz und U-Bahnhof Aidenbachstraße. An der Strecke liegen künftige Baugebiete, was die Nachfrage laut MVG noch steigern wird. […] Die Linie kann auch länger werden: Denn am Romanplatz endet heute die Linie 12 vom Scheidplatz in Schwabing. Eine Möglichkeit ist, die 12er mit der Westtangente zu verlängern – irgendwann könnte sie auch durch den Englischen Garten fahren. Denn die umstrittene Gartentram ist wieder aktuell. Dafür wird die MVG in den nächsten Wochen testen, ob der Spezial-Akku der neuen Vario-Tram reicht, um mehr als einen Kilometer zu fahren. Damit könnte er die Passage durch den Englischen Garten schaffen.

Münchner Merkur

Auch für den Münchner Merkur ist die Westtangente ein Thema: »Rot-Grün setzt neue Tram aufs Gleis – gegen Widerstand von CSU und FDP«:

Dreh-und Angelpunkt des Kräftemessens ist die Genehmigungsfähigkeit der neuen Linie. Werner-Hans Böhm, früher Präsident der Regierung von Oberbayern, hatte dem Projekt 1996 keine Aussicht auf Verwirklichung gewährt. Die hohe Verkehrsbelastung der Fürstenrieder Straße, die keine Minderung der Vierspurigkeit erlaubte, stand damals dem Tramprojekt entgegen. Böhm hatte aber auch erklärt, wenn die damals noch nicht gebaute Autobahn-Westspange genug Fahrzeuge von der Fürstenrieder Straße absaugen werde, müsse die Situation neu bewertet werden. Diesen Punkt betont jetzt auch Regierungs-Sprecher Heinrich Schuster. SPD und Grüne im Stadtrat vertrauen nun darauf, dass die Regierung die „West-Tangente“ billigt. Dies würde den Weg für den Bau freimachen und auch Zuschüsse für das Projekt ermöglichen.

Kolumne der Abendzeitung

Darüberhinaus hat die Abendzeitung eine interessante Kolumne im Angebot: »Tram-Träume«:

Bordeaux, Athen, Florenz: Alle haben sich eine neue Tram gegönnt, in Edinburgh fährt sie 2011 sogar zum Flughafen. Das gibt Stoff für mehr Träume: Warum nicht eine Linie vom Arabellapark nach Englschalking verlängern? Warum nicht den S-Bahnhalt Berg am Laim mit der Tram am Vogelweideplatz verbinden? Und was ist eigentlich aus der Stadt-Umland-Bahn geworden? Eine fixe Tram rund um die Stadt. Man wird ja noch träumen dürfen.

Titelbild: Digitalfotovision/Pixelio


6 Kommentare zu “Westtangente: Presseschau”

  1. Stadtneurotiker sagt:

    Wenn man sich anschaut, wie reaktionär die AZ und die SZ bis in die 90er Jahre hinein gegen die Tram gewettert haben, kann man sich heute nur erfreut die Augen reiben…
    Nein, früher war nicht alles besser.

  2. Stef sagt:

    @Stadtneurotiker: dito!

  3. Maximilian Allwein sagt:

    Das Fahrspur-Argument der CSU ist genauso platt wie das andere mit dem Grünstreifen. – Hat wohl noch keiner daran gedacht das in der Fürstenrieder heute größtenteils auch nur 2 Fahrspuren + 1 eine Busspur sind, und die wird ja wohl mit der neuen Tramlinie verschwinden.

  4. reinders, wolfgang sagt:

    also ich fände es gut wenn die tram fahren würde.
    denn es steht doch fest, die tram produziert keine abgase.
    ich bin dafür.
    nur eine kurze bemerkung, war im vorigen jahr in lissabon, und bin schier entsetzt, üder das verhalten gegenüber der alten tram
    es werden immer mehr strecken stillgelget und dafür keuchen dann stinkende autobusse die steilen straßen empor und verpessten die luft mit ihren abgasen, hoffentlich nicht auch so in münchen.

  5. Tramgeschichten.de » Artikel » Der vergessene 12er sagt:

    […] Fahren Sie mit auf der Tangentiallinie, die ihr wahres Potenzial entfalten kann, wenn sie mit der Westtangente verknüpft wird. Wagen 2139 kreuzt gerade die Winthirstraße (Bild: Frederik Buchleitner) Wagen […]

  6. reinders, wolfgang sagt:

    war in diesem jahr in wien, und muß sagen noch fährt sie die gute alte tram.
    auch hier wird immer mehr der autolobby gehuldigt.
    ich kann mir nicht vorstellen, das es angenehm ist durch eine stadt wie münchen zu gehen ,die nach autoabgasen stinkt, alleine der vielen touristen und begrüße den beschluß des stadtrates.

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