»Versuchskaninchen« fahren am liebsten U2
Bilder, Störungen und Umleitungen, Tellerrand Kommentar schreibenAn Verzögerungen ist man inzwischen gewöhnt bei Neubauprojekten. Da machte auch die automatische Nürnberger U-Bahnlinie U3 keine Ausnahme: Eigentlich hätte das Prestigeobjekt zur Fußball-WM im Jahr 2006 fertig sein sollen, doch erst am 15. Juni 2008 war es so weit.
Anschließend lief alles ganz gut. Die U3 drehte lange Zeit störungsfrei ihre Runden und schnell konnte die U2 ebenfalls auf automatischen Betrieb umgestellt werden. Doch dann: Eine Störung nach der anderen. Im Monat Januar gab es nur zehn Tage, in denen der Betrieb ohne Störung lief.
»Wir haben noch eindeutig Probleme mit der Zuverlässigkeit und der Verfügbarkeit«, so Betriebsleiter Konrad Schmidt.

Ausfahrt an der Wöhrder Wiese in Richtung Röthenbach auf dem »falschen« Gleis wegen einer Störung (Bild: Sebastian Sperling)
Ein Brand im Tunnel, der glücklicherweise glimpflich verlaufen war, tat am vergangenen Samstag sein übriges. Zwar hatte dieser nichts mit dem automatischen Betrieb an sich zu tun, aber auch hier zeigten sich Versäumnisse: So war die Störung zwar über das Radio bekannt gemacht worden, die Ticker auf den Webseiten von VAG und VGN schwiegen sich aber über die Situation aus.
Probleme bereiten vor allem die Türen. Hierbei geht es weniger um die Türflügel selbst, sondern vielmehr um die Spaltüberbrückung: Eine Art Schiebetritt, der vom Zug an den Bahnsteig herunterklappt und verhindert, dass man in die Lücke zwischen Zug und Bahnsteig gelangt. Manchmal lassen sich diese Spaltüberbrückungen nicht mehr einfahren.
»Das könnte an einer nachträglich eingebauten Verriegelung liegen, mit der man frühere Probleme beheben wollte«, so Schmidt. Diese hatte man nämlich nachgerüstet, als klar wurde, dass die Spaltüberbrückungen von Rollstuhlfahrern zurückgeschoben werden können. Zwar arbeitete die Technik auf der U3 störungsfrei, vermutlich aber liegt es den stärker besetzten Zügen auf der U2, dass nun die Verriegelungen streiken.
Reagieren konnte die VAG nur mit einer Verstärkung der Mitarbeiter: Statt sechs sind nun zwölf bis 15 Leute »draußen« in den Zügen unterwegs, um für eine störungsfreie Fahrt zu sorgen.
Harte Kritik kommt vom Pro Bahn-Sprecher Thomas Schempf, der die Fahrgäste nur als Versuchskaninchen sieht. Schließlich sollten die Kinderkrankheiten überstanden sein, wenn man mit der neuen Technik an den Start geht.






3. Februar 2010 um 23:59 Uhr
Ich sags ja, Automatisierung kostet Arbeitsplätze und ist im Gegensatz zum “Arbeiter” sehr Störungsanfällig.
4. Februar 2010 um 18:52 Uhr
Der Computer kann halt alles schneller. Nur langsamer.