»Versuchskaninchen« fahren am liebsten U2

Bilder, Störungen, Umleitungen, Tellerrand Von: Daniel Schuhmann

An Verzögerungen ist man inzwischen gewöhnt bei Neubauprojekten. Da machte auch die automatische Nürnberger U-Bahnlinie U3 keine Ausnahme: Eigentlich hätte das Prestigeobjekt zur Fußball-WM im Jahr 2006 fertig sein sollen, doch erst am 15. Juni 2008 war es so weit.

Pendelverkehr am Hauptbahnhof (Bild: Sebastian Sperling)

Pendelverkehr am Hauptbahnhof (Bild: Sebastian Sperling)

Anschließend lief alles ganz gut. Die U3 drehte lange Zeit störungsfrei ihre Runden und schnell konnte die U2 ebenfalls auf automatischen Betrieb umgestellt werden. Doch dann: Eine Störung nach der anderen. Im Monat Januar gab es nur zehn Tage, in denen der Betrieb ohne Störung lief.

»Wir haben noch eindeutig Probleme mit der Zuverlässigkeit und der Verfügbarkeit«, so Betriebsleiter Konrad Schmidt.

Ausfahrt an der Wöhrder Wiese in Richtung Röthenbach auf dem »falschen« Gleis wegen einer Störung (Bild: Sebastian Sperling)

Ausfahrt an der Wöhrder Wiese in Richtung Röthenbach auf dem »falschen« Gleis wegen einer Störung (Bild: Sebastian Sperling)

Ein Brand im Tunnel, der glücklicherweise glimpflich verlaufen war, tat am vergangenen Samstag sein übriges. Zwar hatte dieser nichts mit dem automatischen Betrieb an sich zu tun, aber auch hier zeigten sich Versäumnisse: So war die Störung zwar über das Radio bekannt gemacht worden, die Ticker auf den Webseiten von VAG und VGN schwiegen sich aber über die Situation aus.

Wenn unten nichts mehr geht, helfen nur noch Straßenbahn und Ersatzbusse (Bild: Sebastian Sperling)

Wenn unten nichts mehr geht, helfen nur noch Straßenbahn und Ersatzbusse (Bild: Sebastian Sperling)

Probleme bereiten vor allem die Türen. Hierbei geht es weniger um die Türflügel selbst, sondern vielmehr um die Spaltüberbrückung: Eine Art Schiebetritt, der vom Zug an den Bahnsteig herunterklappt und verhindert, dass man in die Lücke zwischen Zug und Bahnsteig gelangt. Manchmal lassen sich diese Spaltüberbrückungen nicht mehr einfahren.

»Das könnte an einer nachträglich eingebauten Verriegelung liegen, mit der man frühere Probleme beheben wollte«, so Schmidt. Diese hatte man nämlich nachgerüstet, als klar wurde, dass die Spaltüberbrückungen von Rollstuhlfahrern zurückgeschoben werden können. Zwar arbeitete die Technik auf der U3 störungsfrei, vermutlich aber liegt es den stärker besetzten Zügen auf der U2, dass nun die Verriegelungen streiken.

Abgestellt: Wagen 760 an der Wöhrder Wiese (Bild: Sebastian Sperling)

Abgestellt: Wagen 760 an der Wöhrder Wiese (Bild: Sebastian Sperling)

Reagieren konnte die VAG nur mit einer Verstärkung der Mitarbeiter: Statt sechs sind nun zwölf bis 15 Leute »draußen« in den Zügen unterwegs, um für eine störungsfreie Fahrt zu sorgen.

Zweimal Röthenbach (Bild: Sebastian Sperling)

Zweimal Röthenbach (Bild: Sebastian Sperling)

Harte Kritik kommt vom Pro Bahn-Sprecher Thomas Schempf, der die Fahrgäste nur als Versuchskaninchen sieht. Schließlich sollten die Kinderkrankheiten überstanden sein, wenn man mit der neuen Technik an den Start geht.

Wagen 703 am Hauptbahnhof (Bild: Sebastian Sperling)

Wagen 703 am Hauptbahnhof (Bild: Sebastian Sperling)

Werkstattzug an der Wöhrder Wiese (Bild: Sebastian Sperling)

Werkstattzug an der Wöhrder Wiese (Bild: Sebastian Sperling)


2 Kommentare zu “»Versuchskaninchen« fahren am liebsten U2”

  1. Dominik H. sagt:

    Ich sags ja, Automatisierung kostet Arbeitsplätze und ist im Gegensatz zum „Arbeiter“ sehr Störungsanfällig.

  2. Michi G. sagt:

    Der Computer kann halt alles schneller. Nur langsamer.

© 2008 - 2015 Tramgeschichten, Impressum, Theme & Icons von N.Design Studio und Freepik
Artikel RSS Kommentare RSS Anmelden