Naumburger Straßenbahn muss weiterfahren

Bilder, Tellerrand, Wissenswertes Von: Daniel Schuhmann

Der kleinste Straßenbahnbetrieb Deutschlands und Europas einzige Ringstraßenbahn, die Naumburger Straßenbahn, kämpft um’s Überleben. Einstellungsversuche gab es bei diesem Betrieb schon viele, bereits zu DDR-Zeiten in den 60er-Jahren. Dank Ölkrise konnte die »Wilde Zicke«, wie die Bahn liebevoll genannt wird, weiterfahren.

Derzeitige Endhaltestelle »Vogelwiese« der Naumburger Ringbahn (Bild: Martin Ernst)

Derzeitige Endhaltestelle »Vogelwiese« der Naumburger Ringbahn (Bild: Martin Ernst)

Durch die Wiedervereinigung brachen die Fahrgastzahlen stark ein, zudem war angedachte eine Sanierung der Strecke sehr teuer, so dass wieder über eine Stilllegung nachgedacht wurde. Im Jahr 1991 wurde die Bahn außer Betrieb genommen.

Einige Naumburger Bürger versuchten, die Naumburger Straßenbahn zu erhalten. Vorgesehen war in erster Linie eine touristische Vermarktung. Die nun gegründete Naumburger Straßenbahngesellschaft mbH konnte im November 1991 die Fahrzeuge und Anlagen von der Stadt pachten. Im Jahr 1995 konnte das Streckenstück zwischen Theaterplan und Jägerplatz für den elektrischen Betrieb hergerichtet werden.

Die Naumburger Straßenbahn in der Nähe des Bahnhofs (Bild: Martin Ernst)

Die Naumburger Straßenbahn in der Nähe des Bahnhofs (Bild: Martin Ernst)

1999 war auch der Betrieb bis zur heutigen Endstation Vogelwiese möglich. Im gleichen Jahr erhielt die Bahn eine Genehmigung zum Linienbetrieb nach Fahrplan, zuvor waren stets Sondergenehmigungen für jede einzelne Fahrt nötig. Im Jahr 2006 konnte zwischen Ostern und Oktober an jedem Wochenende gefahren werden, ein Jahr später wurde der tägliche Betrieb aufgenommen. Im Jahr 2008 wurde die Betriebszeit der Bahn verlängert. Möglich wurde der Linienbetrieb durch Unterstützung durch das Land Sachsen-Anhalt. Diese ist derzeit bis April 2010 angesetzt.

Wagen 38, im Hintergrund das Depot der Straßenbahn (Bild: Martin Ernst)

Wagen 38, im Hintergrund das Depot der Straßenbahn (Bild: Martin Ernst)

Das Land würde sich auch weiterhin am Betrieb der Bahn beteiligen, wenn die Linie in den ÖPNV der Stadt fest eingebunden wird. Der Burgenlandkreis lehnt sich allerdings wegen der ihm entstehenden Mehrkosten ab.

Am 1. März 2010 entscheidet der Kreistag des Burgenlandkreis, ob die Naumburger Straßenbahn in den Nahverkehrsplan integriert wird. Daher starten die Nahverkehrsfreunde Naumburg-Jena e.V. eine Unterschriftenaktion und bitten die Bevölkerung, die Bahn zu unterstützen.

Abgestellte Fahrzeuge im Depot (Bild: Martin Ernst)

Abgestellte Fahrzeuge im Depot (Bild: Martin Ernst)

Die Tramgeschichten unterstützen dieses Vorhaben und bitten darum, an der Unterschriftenaktion teilzunehmen. Die Unterschriftenliste kann von der Webseite der Nahverkehrsfreunde Naumburg – Jena e.V. heruntergeladen werden.


10 Kommentare zu “Naumburger Straßenbahn muss weiterfahren”

  1. Dominik H. sagt:

    Die Tram in Naumburg ist die einzigste ihrer Art.
    Erinnert mich etwas an Elbląg, da gibts/gabs auch so ne schöne kleine Strecke durch enge Gassen.

    Słupsk hatte bis in die 1950er Jahre auch so eine schöne Ringlinie.
    Heute fahren dort aber u.A. exMVG 57xx Busse.

    Die Strecke muss man erhalten und zum Weltkulturerbe erklären lassen!

  2. JeDi sagt:

    Es ist eben immer eine Abwägungssache. Wenn man hier einem reinen Nostalgiebetrieb unterstützen möchte, dann sollte man diesen tunlichst aus dem Nahverkehrsplan draußen lassen und die Betriebstage einschränken.

    Die bessere Lösung wäre natürlich die Anschaffung von Zeitgemäßen Fahrzeugen (Leoliner?) und Attraktivierung des Netzes; dazu würde ich u.a. den Wiederaufbau der Innenstadtstrecke (wenn das mit vertretbarem Aufwand geht) zählen.

  3. Christian sagt:

    Ja Leoliner währen wahscheinlich auch zu lang.
    Jedoch vielleicht ein wirklich ganz kleines Fahrzeug so groß wie ein normaler Bus währe glaube ich ideal.

    Das Verkehrsaufkommen ist einfach zu gering, wenn man die Innenstadtstrecke wieder aufbauen würde, dann könnte man von neuen Fahrzeugen sprechen, das kann dann ein Leoliner oder ein 2 teiliger Flexity oder Variobahn etc. sein.

  4. Don Martino sagt:

    Also bitte.

    Man könnte ja auch den Naumburger Dom abreißen und durch einen Neubau ersetzen.

    (Oder in München die Pp-Züge durch Variobahnen ersetzen…)

    Könnte man…

  5. Rob sagt:

    Einzige Ringstraßenbahn Europas? Moment mal… Ich weiß, dass solche Superlative und Unikate bei der touristischen Vermarktung hilfreich sind, aber wie definieren die eine Ringstraßenbahn? Ein Straßenbahnsystem, das _nur_ aus einer Ringlinie besteht? Ringlinien als Teil eines größeren Systems gibt es nämlich öfters, allein in Timisoara gibt’s z.B. zwei davon…

  6. JeDi sagt:

    @Christian: Der Leoliner gilt halt als das günstigste Fahrzeug für sowas – und ob eine Spezialanfertigung als kleines Fahrzeug wirklich günsitger kommt?

  7. Christian sagt:

    Stimmt da kannst du recht haben, sofern der Aufwand dabei noch mitgezählt wird.
    Aber dann gibt es noch ein Problem: Vielleicht stellt der Hersteller der Leoliner gar keine für Naumburg her.

  8. Tramfan sagt:

    Hat der Leoliner-Hersteller nicht auch irgendwann mal einen einteiligen TW gebaut? Ich glaube, der kurvt jetzt als Arbeitswagen in Leipzig rum…

  9. Daniel Schuhmann sagt:

    Ich weiß nicht, ob hier die Diskussion nicht in die falsche Richtung abdriftet. Natürlich ist es erwünscht, die alten Wagen betriebsfähig zu erhalten und nicht zu ersetzen. Dass eine so betriebene Strecke dennoch in den ÖPNV eingebunden werden kann, zeigt die Woltersdorfer Straßenbahn, die mit ebensolchem Wagenmaterial und glücklichen Fahrgästen täglich als Linie 87 zum S-Bahnhof Rahnsdorf unterwegs ist.

  10. Wolfgang Rönelt sagt:

    Die Damen und Herren des Kreistages Burgenlandkreis sollten froh darüber sein, dass dieses Kleinod der deutschen Straßenbahngeschichte trotz vieler Schließungsversuche bis heute überlebt hat.
    Sie sollten überlegen, die „Wilde Zicke“ weiter auszu- bauen und gemeinsam mit dem Naumburger Dom und dem Saale-Unstrut-Weinanbaugebiet touristisch besser zu vermarkten, zum Beispiel auch durch eine Verknüpfung mit der Burgenlandbahn und dem restlichen ÖPNV.
    Ich könnte mir vorstellen, dass dann im Komplex eine Anerkennung als Weltkulturerbe möglich wäre.
    Vielleicht beschäftigen sich die Entscheidungsträger im Burgenlandkreis einmal mit der Straßenbahn im Österreichischen Gmünden, die in vielen Dingen mit Naumburg zu vergleichen ist und wo man sich für einen Fortbetrieb und den Ausbau entschieden hat.

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