»Kürzer, aber öfter«: VAG rudert zurück

Tellerrand, Wissenswertes Von: Daniel Schuhmann

»Mit Problemen in dieser Anzahl hatten wir nicht gerechnet.«, so verkündete die VAG gestern das Ende der Kurzzugeinsätze auf den Nürnberger U-Bahnlinien U2 und U3. Es hätte so schön sein können: Im Januar 2009 begann der Testbetrieb mit DT3-Fahrzeugen auf der U2, knapp ein halbes Jahr später wurden Versuche mit Kurzzügen begonnen. Nach Zulassung durch die TAB wurden die automatischen Züge auch auf der U2 »Zug um Zug« für den Fahrgastbetrieb freigegeben.

Die Kurzzuganzeige wird in Zukunft wieder seltener erscheinen

Die Kurzzuganzeige wird in Zukunft wieder seltener erscheinen

Störungen gab es so gut wie keine, so dass sich die VAG im November 2009 entschied, die Züge auf der Stammstrecke alle 100 Sekunden fahren zu lassen: Unter dem Motto »Kürzer, aber öfter« wurden die Zuglängen halbiert, aber dafür der Takt verdoppelt.

Doch in den folgenden Wochen kam die Nürnberger U-Bahn nicht aus den Schlagzeilen heraus: Im Januar 2010 gab es lediglich zehn Tage, an denen der Betrieb störungsfrei lief — »Wir haben noch eindeutig Probleme mit der Zuverlässigkeit und der Verfügbarkeit«.

Nun aber rudert die VAG zurück, verspricht ein »neues Betriebskonzept«. Kurz gesagt: Längere Taktzeiten, mehr Langzüge — exakt so, wie vor der Umstellung auf den Kurzzugbetrieb gefahren wurde. Immerhin werden weiterhin mehr KUSS-Mitarbeiter eingesetzt, die Störungen schnell vor Ort beseitigen können; hier hilft der gestreckte Takt, denn die meisten Störungen lassen sich binnen zwei bis drei Minuten beheben.

Das »neue« Konzept lässt keine Wunder erwarten, aber Dr. Rainer Müller, Vorstand für Markt und Technik der VAG, bewertet die gestreckten Takte positiv: »Der gedehnte Takt und der Einsatz von Langzügen verschaffen uns etwas mehr Luft. Nicht viel sicherlich, aber eben für einen Großteil der Fälle doch deutlich mehr als bisher«.

In einer Woche, am 8. März 2010, wird das Langzugkonzept umgesetzt, bereits am Donnerstag wird das überarbeitete U-Bahn-Fahrplanheft in den Zügen ausliegen.

Auf ewig soll der Zustand jedoch nicht anhalten: Parallel versucht die VAG zusammen mit Siemens und den Zulieferbetrieben, der Probleme Herr zu werden. »Wenn erst einmal alle Kinderkrankheiten der automatischen U-Bahn geheilt sind, werden wir mit ihr ein sehr gutes Verkehrsmittel in Nürnberg haben. Bis es so weit ist, werden wir alles dafür tun, um die Umstellungsphase so wenig belastend wie möglich für unsere Fahrgäste zu gestalten.«, so der Technik-Vorstand der VAG.


5 Kommentare zu “»Kürzer, aber öfter«: VAG rudert zurück”

  1. Stef sagt:

    Wenn jetzt sogar schon die technischen Komponenten begreifen, wie unsinnig so ein Betriebskonzept ist, mag das schon was heißen…
    (Hab‘ ja gleich gesagt, dass das ein Schmarn war 😉

  2. Rob sagt:

    Schmarrn? Wieso? Alle 100 Sekunden eine U-Bahn ist doch toll. Das Problem ist, dass im Moment langsam die Argumente für den automatischen Betrieb ausgehen. Zuverlässiger ist er nicht wirklich, Personal spart er auch nicht (solange man so viele „KUSS-Mitarbeiter“ einsetzen muss), und jetzt fällt auch noch die Möglichkeit, kostenneutral den Takt zu verdoppeln, weg.

  3. Stef sagt:

    @Rob: zwecks Schmarn siehe Kommentare dort: http://www.tramgeschichten.de/2009/11/23/alle-100-sekunden/
    Für mich stellt es so jedenfalls ein durch und durch sinnfreies Konzept dar.

  4. Nicolas sagt:

    @Stef
    Irgendeine sinnvolle Begründung, warum das Quatsch sein sollte, findet sich in den von Dir verlinkten Kommentaren allerdings nicht…

  5. Tramgeschichten.de » Artikel » Nürnberg: U2 lang, U3 kurz sagt:

    […] Seit Montag fährt die VAG die Nürnberger U2-Züge wieder mit Langzügen aus zwei Doppeltriebwagen (DT3). Auf der U3 werden hingegen weiterhin Kurzzüge eingesetzt. In der Hauptverkehrszeit fahren sowohl die Züge der Linie U2 als auch die Züge der Linie U3 im 5-Minuten-Takt, was auf der »Stammstrecke« zwischen Rothenburger Straße und Rathenauplatz einen 150-Sekunden-Takt ergibt. Linie U2/U21 mit Langzügen, hier mit Wagen 725 am Hauptbahnhof […]

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