MVG präsentiert Fahrgastfernsehen

Allgemeines Von: Daniel Schuhmann

Große Worte der MVG: Als neues Informationszeitalter präsentiert der Münchner Verkehrsbetrieb seine neuste Planung, U-Bahnen und Trambahnen mit Monitoren auszurüsten. Hier geht es um zwei Dinge: Verbesserte Fahrgastinformation und Infotainment, weshalb das neue Medium auch leicht scherzhaft als „Fahrgast-Fernsehen“ bezeichnet wird.

Aufmerksame Blicke: Herbert König und Andreas Orth betrachten die Designstudie zum Fahrgastfernsehen

Aufmerksame Blicke: Herbert König (re.) und Andreas Orth (li.) betrachten die Designstudie zum Fahrgastfernsehen

Langjährige Kunden werden sich verwundert die Augen reiben, denn das Konzept ist nicht neu. Bereits im Jahr 2001 unternahm die MVG einen Versuch, das Fahrgastfernsehen zu etablieren und stattete sechs Doppeltriebwagen der U-Bahn (zwei Langzüge) mit Monitoren aus.

Von den Kunden angenommen wurde die Idee damals gut, jedoch scheiterte die Idee am Partner, der für die Zuspielung der Inhalte verantwortlich war.

Der Fehler soll nicht nochmal passieren, daher hat sich die MVG im neuen Anlauf für einen „alten Hasen“ in diesem Geschäft entschieden: Die Berliner Fenster GmbH ist bereits seit zehn Jahren mit dem Infotainment in den Berliner U-Bahnzügen betraut. Hier sind es immerhin 1106 U-Bahnwagen, in die nicht weniger als 7536 Monitore eingebaut sind.

Darstellung des Linienverlaufs und des Münchner Fensters in der Präsentation

Darstellung des Linienverlaufs und des Münchner Fensters in der Präsentation

Bei der MVG ist die Anzahl freilich etwas geringer: 358 U-Bahnwagen und 102 Trambahnzüge werden die Ausrüstung erhalten, was insgesamt etwa 4200 Monitoren entspricht. Hierbei handelt es sich stets um Doppelmonitore, deren linke Seite für die Fahrgastinformation reserviert ist, während auf der rechten Seite die Infotainment-Inhalte angezeigt werden.

Mit dem Umbau wird Mitte des Jahres begonnen, im Jahr 2014 soll die Umrüstung abgeschlossen sein. Ein genauer Termin für den Beginn der Arbeiten ist noch nicht bekannt, da die Ausschreibungen noch laufen. Ausgerüstet werden alle Züge, die noch mindestens 10 Jahre im Einsatz sein werden, einige ältere A-Züge der U-Bahn erhalten daher kein Fahrgastfernsehen. Bei den Trambahnen werden alle Linienzüge mit Ausnahme der P-Wagen umgerüstet.

Anschlussübersicht mit Live-Aktualisierung

Anschlussübersicht mit Live-Aktualisierung

Für die Fahrgastinformation zeigt sich die MVG verantwortlich, während die Infotainment-Inhalte von der Berliner Fenster GmbH eingespielt werden – diese wird hier selbstverständlich unter dem Namen „Münchner Fenster“ auftreten.

Auch über eine Anzeige von Fotos der Haltestelle wird nachgedacht, um den Wiedererkennungswert zu steigern

Auch über eine Anzeige von Fotos der Haltestelle wird nachgedacht, um den Wiedererkennungswert zu steigern

Insgesamt 6,5 Millionen Euro kostet die Installation von Monitoren und sonstiger Technik, Kosten, welche die MVG alleine aufnimmt. Dafür wird die MVG später an den Werbeeinnahmen beteiligt, so dass sich die Anschaffung nach einigen Jahren amortisieren soll und dann eine zusätzliche Einnahme für den Verkehrsbetrieb gibt.

Die Berliner Fenster GmbH rechnet mit Investitionen zwischen 0,5 und einer Million Euro: In München wird eine Redaktion eingerichtet, die sich um sämtliche Infotainment-Inhalte kümmert. Hier sollen sechs ständige Arbeitsplätze entstehen.

Warten auf die Abfahrt: Auch im Zug wird an der Endhaltestelle angezeigt, wann es soweit ist

Warten auf die Abfahrt: Auch im Zug wird an der Endhaltestelle angezeigt, wann es soweit ist

Das Infotainmentprogramm wird in einer Schleife abgespielt, welche 15 Minuten dauert. Maximal 20 % der Zeit wird Werbung eingespielt. Geplant ist folgende Aufteilung:

  • 5 Minuten Nachrichten, davon drei Minuten für regionale und zwei Minuten für nationale und internationale Inhalte
  • 3 Minuten Magazin, mit wechselnden Inhalten je nach Uhrzeit
  • 4 Minuten Stadtinformation, Informationen über kulturelle Veranstaltungen, Baustellen und Fahrplaninformationen der MVG
  • 3 Minuten Werbung

Die Zusammenstellung der Informationen wird in einem 2-Stunden-Rythmus gewechselt: Hier erhalten Pendler zur Hauptverkehrszeit andere Informationen, als Touristen, die typischerweise erst später unterwegs sind. Am Freitag- und Samstagabend ist ein spezielles Nachtprogramm mit Infos über Clubs, Discos und dergleichen geplant.

Zufriedene Gesichter: Orth und König sind zuversichtlich

Zufriedene Gesichter: Orth und König sind zuversichtlich

Die Videoinhalte werden bis zu 40 mal am Tag in speziellen „Datentankstellen“ aktualisiert, diese sind in den Wendeanlagen und an zentralen Umsteigepunkten geplant.

Designstudie im Screenshot: Linienverlaufsanzeige

Designstudie im Screenshot: Linienverlaufsanzeige (Bild: MVG)

Die Fahrgastinformation gleicht auf den ersten Blick den Informationen, die in der Variobahn sowie in den neuen Bussen eingesetzt wird. Das neue System hat jedoch einen großen Vorteil: So werden Anschlussinformationen in Echtzeit übertragen, womit der Kunde sofort sehen kann, wann der nächste Bus oder die nächste Tram am Umsteigepunkt abfährt.

Designstudie im Screenshot: Anschlussübersicht mit Live-Daten

Designstudie im Screenshot: Anschlussübersicht mit Live-Daten (Bild: MVG)

Der graue Bereich im unteren Teil der Anzeige kann zusätzlich als Störungsticker verwendet werden, der mit gelber Signalfarbe wichtige Informationen anzeigt. Nicht nur Störungen der MVG sollen angezeigt werden, auch die Integration des Störungstickers der S-Bahn ist geplant. So kann beispielweise ein Kunde in der U5 gleich zum Ostbahnhof sitzenbleiben, wenn auf der Stammstrecke eine Störung vorhanden ist.

Hier laufen die Fäden zusammen: SWM-Zentrale in der Emmy-Noether-Straße

Hier laufen die Fäden zusammen: SWM-Zentrale in der Emmy-Noether-Straße

Im Zusammenhang mit dem Fahrgastfernsehen werden die Züge auch mit Videokameras und Brandschutzeinrichtungen ausgerüstet, zusätzlich erhalten einige Züge Fahrgastzähleinrichtungen. Über den Datenkanal, über den das Fahrgastfernsehen mit Informationen versorgt wird, können von der Leitstelle auch die Videokameras ausgelesen werden. Hierbei ist es nach Übergriffen nicht mehr nötig, den Aufzeichnungsdatenträger aus dem Wagen zu entfernen. Ein Live-Bild des fahrenden Zuges wird dennoch nicht übertragen, die Videos werden nur nach Anforderung durch die Polizei ausgewertet. Die Speicherung der Daten erfolgt weiterhin in den Zügen und diese werden wie bisher nach 48 Stunden überschrieben.


6 Kommentare zu “MVG präsentiert Fahrgastfernsehen”

  1. Nicolas sagt:

    Ob das in München funktioniert? Nicht ohne Grund hat die BVG das teure Fahrgastfernsehen vor einigen Jahren für einen symbolischen Preis verkauft.
    Wie soll das mit der Echtzeit-Anschlussanzeige funktionieren, wenn die Inhalte nur an 40 Datentankstellen aktualisiert werden?

  2. Maley sagt:

    @Nikolas, kenn mich da auch nicht so gut aus, könnte aber das Handynetz sein?!

    Die Anzeigen wurden weitgehend der der Variobahn angepasst.
    Bei der Variobahn muss dann nur die Software aktualiesiert werden.
    Beim C-Zug wird es am schwierigsten die Bildschirme einzubauen denke ich.
    Aber ich finde es super!

  3. Nicolas sagt:

    @Maley
    Wenn diese Info-Anzeigen das halten, was da versprochen wird, dann ist das schon mal nicht schlecht.
    Meine Erfahrungen aus Berlin sind folgende:
    Nicht unbedingt selten ist das System eingefroren (schöne Windows-Fehlermeldung) oder die Monitore an sich sind defekt.
    Die sogenannten Nachrichten kommen vom Revolverblatt BZ, die Relevanz ist meist sehr gering. Das restliche Entertainmentprogramm ist auch grottenöde.
    An diese Echtzeit-Information (die auch zuverlässig funktioniert) glaube ich erst, wenn ich sie sehe.
    Ich glaube in Berlin ist bei der Einführung auch das Blaue vom Himmel versprochen worden…

  4. Rikay sagt:

    Ich will mit der MVG von A nach B kommen. Bis Dato habe ich es genossen, hier nicht mit einer ansonst schon üblichen Informationsflut belästigt zu werden.
    Zu den Linienweginformationen: In einigen Fahrzeugen gibt es das schon. Oft habe ich feststellen müssen, daß (ähnlich wie bei der Computerstimme für die Haltestellenansagen) das System aufgrund von offensichtlichem Desinteresses des Fahrpersonals nicht immer mit der Realität übereinstimmt.
    Das ist meines Erachtens rausgeschmissenes Geld – niedrigere Fahrpreise wären mir da schon lieber…

  5. Daniel sagt:

    Sollte das nicht schon längst verbaut worden sein? Habe bisher noch keine U-bahnen mit Monitoren gesehen und auf dem zweiten Monitor steht schon seit einem Jahr: Herzlich Willkommen bei der MVG. Weiß jemand wann das Fernsehen kommt?

  6. Scherzkeks sagt:

    @Daniel: Stimmt, würde mich auch mal interessieren wo die bleiben.

    Weiß jemand was?

    Die R2.2b und die Variobahnen sind ja bisher die einzigen und selbst da läuft es noch nicht richtig. Bei der U-Bahn wurden noch gar keine verbaut, oder?

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