Neuer MVG-Fahrkartenautomat im Test

Bilder, Tarif, Wissenswertes Von: Daniel Schuhmann

Das Geräte zieht neugierige Blicke auf sich, viele bleiben stehen, wischen sich verwundert über die Augen — da stand doch gestern noch gar kein Automat? Die Erklärung lässt nicht lange auf sich warten: Es handelt sich um einen Nutzertest der Stadtwerke München/MVG sowie der Firma Handspiel, welche sich um die Entwicklung der Benutzeroberfläche kümmert.

Der neue »Fahrscheinautomat« an der Münchner Freiheit im Test

Der neue »Fahrscheinautomat« an der Münchner Freiheit im Test

Denn genau um die Touchscreen-Oberfläche geht es bei dem neuen Gerät — Fahrkarten verkaufen kann es nämlich keine: Der Kasten besteht aus Holz und ist, abgesehen vom Monitor in der Mitte, innen komplett leer.

Der gestrige Einsatz an der Münchner Freiheit war der letzte von vier Terminen in den vergangenen zwei Monaten. Zwischenzeitlich wurde das Prototyp-Gerät bereits zweimal am Marienplatz und einmal am Sendlinger Tor aufgestellt. Damit einhergehend gibt es eine intensive Nutzerbefragung, bei der auch das Verhalten der Probanden am Automaten geprüft wird. Die Ergebnisse der vorigen Untersuchungen wurden verwendet, um zwischenzeitlich die Benutzeroberfläche zu überarbeiten. In die jetzt getestete Version sollten die meisten Kundenwünsche bereits integriert worden sein.

Für Münchner Kunden, die sich mit dem MVV bereits auskennen, sind die Tariffragen recht direkt: Eine Isarcard für den Folgemonat, Ring drei bis Ring sieben oder eine Tageskarte für den Außenraum, das ist Alltag für jene Münchner, die vorrangig auf Schienen durch die Stadt düsen.

Hauptmenü des Fahrscheinautomaten

Hauptmenü des Fahrscheinautomaten

Viel interessanter ist der Fragebogen für die Touristen, sie sind es, die erst minutenlang den Tarifplan studieren müssen, ehe sie sich an den Fahrkartenkauf wagen. Die erste Frage ist klassisch: Zwei Touristen möchten die Stadt besuchen und einige Fahrten in München unternehmen. Die Auswahl erfolgt blitzschnell: Im Hauptmenü der Menüpunkt »Tageskarten«, »2 bis 5 Personen« und schließlich die Wahl des Innenraums, Stadtgebiet München.

Auswahl der Tageskarten: Besonders die Partner-Tageskarte wird hier klar definiert

Auswahl der Tageskarten: Besonders die Partner-Tageskarte wird hier klar definiert

Auch Frage 2 ist in den Top 10 ganz oben zu finden: Die Fahrt zum Flughafen. Das Flugzeugsymbol führt den Kunden hier auf kürzestem Wege zum Ziel.

Unter den Freizeitangeboten findet der Kunde schließlich die Antwort auf Frage 3: Eine Tageskarte mit ermäßigtem Eintritt in Museen. Auch wer nicht weiß, dass die Karte den Namen »CityTourCard« trägt, findet sie schnell.

Isarcard-Ringauswahl

Isarcard-Ringauswahl

Die Auswahl von Wochen- oder Monatskarte erfolgt erst zum Schluss

Die Auswahl von Wochen- oder Monatskarte erfolgt erst zum Schluss

Die Menüführung wirkt durchweg logisch. Besonders erfreulich ist, dass sämtliche Kartendaten jederzeit geändert werden können, der Benutzer muss sich nicht zwangsweise Stufe für Stufe durch eine undurchsichtige Menüstruktur hin- und herhangeln.

Nutzertest von SWM/MVG und Handspiel

Nutzertest von SWM/MVG und Handspiel

Die aus Leipzig stammende Firma Handspiel hat bereits Erfahrung mit Benutzeroberflächen von Fahrscheinautomaten: Bereits die Oberflächen der Fahrscheinautomaten der Leipziger LVB und der Halleschen HAVAG stammen aus der Feder von Handspiel.

Simulationsauswertung: Bedienung der Benutzeroberfläche

Simulationsauswertung: Bedienung der Benutzeroberfläche

Erfreulich an den neuen Automaten ist nicht nur die Tatsache, dass auch Monatskarten erworben werden können, auch Geldscheine bis 100 Euro werden akzeptiert — und das nicht nur bei Fahrkarten mit einem Wert ab 90 Euro, den die Automaten können auch Rückgeld in Scheinen geben. Neu ist auch die Möglichkeit, Tickets über einen Barcode-Scanner nachzukaufen, dazu muss nur ein bereits gekauftes Ticket unter den Scanner gehalten werden — ohne Auswahl des Menüs. Vorgesehen ist, dass die Barcodes in die EFA-Fahrplanauskunft integriert werden; auch in Reiseführern wäre dies eine tolle Möglichkeit.

Bereits am Jahresende werden die ersten neuen Automaten aufgestellt, unter anderem an den Bahnhöfen Moosach und Moosacher St.-Martins-Platz. 292 Automaten sollen es insgesamt werden, es werden 278 Altgeräte aus dem Jahr 1988 ersetzt. Hersteller der Automaten selbst ist die Firma ICA Traffic GmbH aus Dortmund.

Neben dem Nutzertest wurde die Ausstattung der Geräte auch mit dem Facharbeitskreis Mobilität des Behindertenbeirats der Landeshauptstadt München abgestimmt. Die Bedienelemente in einer Höhe von 75 cm bis 125 cm sind für jedermann gut erreichbar.


5 Kommentare zu “Neuer MVG-Fahrkartenautomat im Test”

  1. Michi G. sagt:

    An dem Menü sieht man deutlich mal wieder die Auswirkungen von Apple-Design aufs alltägliche Leben! 🙂 Schaut aber gut aus, bin mal gespannt wie es dann „in echt“ wird.

  2. Ligsalz sagt:

    Interessanter Beitrag. Hab das Gerät selber noch gar nicht gesehen und damit nicht testen können. Was mich interessieren würde: Kann man denn auch mehrere Karten gleichzeitig kaufen und in einem Schritt bezahlen? Mich nervt’s jeden Monat, wenn ich bei den unglaublich langsamen Dauerkartenautomaten zuerst meine Monatskarte lösen und bezahlen muss, um dann nach einer gefühlten Ewigkeit meine Grüne Jugendkarte auswählen und berappen kann. Da sind die Automaten von der Bahn wesentlich benutzerfreundlicher.

  3. Daniel Schuhmann sagt:

    Mehrere Karten gleichzeitig kaufen geht derzeit nur mit gleichen Karten, es wurde aber als Wunsch aufgenommen, auch verschiedene zu kaufen. Generell machte die Oberfläche aber einen sehr schnellen Eindruck — wenn nicht am Ende des Kaufs 15 Sekunden lang „Vielen Dank für Ihren Einkauf“ angezeigt wird, passt es doch 😉

  4. Wolfgang R. sagt:

    Hab gerade diesen Beitrag entdeckt, nachdem ich mich heute bei meiner Rückkehr aus Spanien ziemlich aufgeregt habe.
    Will man vom Flughafen aus mit der S-Bahn in die Stadt, findet man dort eine organisatorische Katastrophe vor. Ich als Münchner hab mich geschämt, den Reisenden zuschauen zu müssen, wie sie am DB-Fahrkartenautomaten und MVG Tarifdschungel verzweifeln.
    Ich hätte gerne auch einen Blick auf das neue Konzept geworfen (und konstruktive Kritik geübt). Leider nicht mehr möglich.

  5. Tramgeschichten.de » Artikel » MVG stellt neuen Fahrscheinautomat vor sagt:

    […] hat sich bei der Gestaltung der Oberfläche besonders viel Mühe gegeben, wurde doch die Software an mehreren Terminen mit Kunden getestet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Im Vergleich zur DB-Oberfläche lässt sich das MVG-Modell […]

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