Ein riesengroßes verpacktes Geschenkpaket stand am Morgen mitten auf dem Marienplatz: Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) erhält einen neuen Hybridbus. Schnittig sieht er aus mit seiner stromlinienförmigen »Elvis-Presley-Locke« und er verrät: Dieser Bus ist etwas völlig Neues.
Die MVG hat zwar schon einen Hybridbus von Solaris im Test, aber das nun gelieferte Modell von MAN setzt auf eine komplett andersartige Technologie:
Während Solaris’ Urbino 18 einen parallelen Hybrid — hier wirken Diesel- und Elektromotor gleichzeitig auf den Antriebsstrang — verwendet, setzt MAN auf ein serielles System: Der Dieselmotor treibt einen Generator an, der wiederum Strom für die Fahrmotore liefert. Die Traktion selbst erfolgt nur elektrisch. Zusätzlich wird beim Bremsen die Energie der Fahrmotore generatorisch in Strom umgewandelt und in Kondensatoren auf dem Fahrzeugdach gespeichert. Beim Anfahren wird zunächst diese Energie verwendet und erst später der Dieselmotor dazugeschaltet.

Auspacken als Gemeinschaftsarbeit: Herbert König, Bernd Maierhofer und Christian Ude durchschneiden das Band (Bild: Samuel Muth)
Das Beschleunigen aus der Haltestelle ist durch den elektrischen Betrieb besonders leise und abgasfrei. Bis zu 200 Meter Wegstrecke können auf diese Weise zurückgelegt werden, bis der Dieselmotor einspringen muss. Zudem schaltet sich der Dieselmotor im Stand, wenn er nicht gebraucht wird, komplett aus. Dank Start-Stop-Automatik ist er nach einem kurzen Augenblick wieder betriebsbereit. Allein hiervon verspricht sich der Hersteller MAN große Energieeinsparungen: Immerhin verbringen Stadtbusse zwischen 25 und 40 Prozent ihrer Betriebsdauer im Stand: Beim Aufenthalt an Haltestellen oder vor roten Ampeln. Der Vorteil für den Fahrgast: Der Bus steht nahezu geräuschlos an der Haltestelle, lediglich die Klimaanlage ist noch zu hören.
Durch die Energiespeicherung und Start-Stop-Automatik in Verbindung mit dem seriellen Hybrid-Konzept verspricht der Hersteller einen bis zu 30 Prozent geringeren Kraftstoffverbrauch. Ganz von selbst geht’s allerdings nicht: Auch der Fahrer ist für den Energieverbrauch mitverantwortlich. MAN will hierbei in Schulungen auf die Eigenheiten des Busses hinweisen und den Fahrern eine besonders energiesparende Fahrweise »antrainieren«. Ein spezielles Anzeigeinstrument ersetzt den üblicherweise verwendeten Drehzahlmesser und zeigt an, ob sich Beschleunigung und Bremsung »im grünen Bereich« befinden.
Der Einsatz des Busses ist auf der Linie 132 geplant: Ab Mitte Juni soll der neue Solo-Hybridbus als normaler Kurswagen im Regelbetrieb eingesetzt werden.
Die Bilanz des Solaris-Hybridbus fällt indessen enttäuschend aus. Statt der erhofften Einsparung von 20 Prozent erreicht der Bus nur magere zehn Prozent — im Winter entsteht durch den Energiebedarf für die Heizung gar kein Verbrauchsvorteil. Hier werden allerdings noch Optimierungen vorbereitet. Der fast baugleiche Bus des MVV, der auf der Linie 210 eingesetzt wird, soll ganze 25 % an Kraftstoff sparen.
Auch der dritte große Bushersteller soll in Zukunft noch in’s Boot geholt werden: Die MVG plant die Beschaffung eines weiteren Testfahrzeuges von Mercedes. Dieser soll ebenfalls serielle Technik einsetzen, speichert die Energie aber nicht in Kondensatoren, sondern in Akkus.









26. Mai 2010 um 14:39 Uhr
Boah, diese Kondensatoren vorne sehen aber scheisse aus, die würden mehr nach hinten passen.
26. Mai 2010 um 16:48 Uhr
Finde ich ueberhaupt nicht! Gerade die Kondensatoren machen den Bus so modern und wunderschoen! Also das ist der schoenste Bus der ganzen Flotte!
27. Mai 2010 um 15:44 Uhr
Die Schleife sieht cool aus. Die sollte man im wieder dranmachen, das hat was.
22. Oktober 2010 um 23:29 Uhr
[...] Juni«, so hieß es noch am 26. Mai bei der Vorstellung des MAN-Hybridbusses, sollte die »Elvis-Locke« in den Liniendienst kommen. Mit etwas Verspätung war es heute so weit: [...]