7 Stunden Tram: Auf ganzer Linie unterwegs

Bilder, Fahrplan, Betrieb, Wissenswertes Von: Daniel Schuhmann

Auf ganzer Linie in sieben Stunden, das klingt nach einer Unternehmung von Verrückten. Die Romanvorlage ist freilich spektakutärer: Andy muss innerhalb eines Tages alle 265 Stationen des Londoner U-Bahnnetzes abfahren, andernfalls verliert er eine Wette und damit sein Ticket für den Eurostar, um in Paris seine Angebetete, Rachel, zu heiraten.

Geschafft! Das Aglu-Team (Boris, Florian, Jonas, Daniel, Ben, Sam, Johannes) am Ende der Fahrt an der St.-Veit-Straße

Geschafft! Das Aglu-Team (Boris, Florian, Jonas, Daniel, Ben, Sam, Johannes) am Ende der Fahrt an der St.-Veit-Straße

Für eine Wette hätte unser Versuch nicht getaugt: In weniger als 8 Stunden lassen sich alle Trambahnstationen bequem »erfahren«. Da muss man noch nicht einmal zu nachtschlafender Zeit aufstehen, darüberhinaus gibt es diverse Lösungsmöglichkeiten für den Fahrplan, und so richtig viel kann auch bei diversen Verspätungen nicht schiefgehen.

Königsklasse

Die »Königsklasse auf ganzer Linie« ist, sofern wir im Münchner Raum bleiben, das Befahren aller Stationen im Bereich der U- und S-Bahnen im gesamten MVV-Gebiet. Die muss allerdings besser geplant werden, als ein einwöchiger Pauschalurlaub und der Fahrtantritt ist ohne Urlaubsgesuch gar nicht erst möglich: Nur Freitags kann man den Versuch wagen, natürlich nicht während der Schulferien und auch von den verbleibenden Tagen scheiden manche noch aus. Grund hierfür sind die selten verkehrenden Regionalbusse, welche die Außenäste mancher S-Bahnen passend verbinden. Manche von ihnen fahren nur wenige Male am Tag. Und mit jedem Fahrplanwechsel gerät die generelle Machbarkeit weiter in Gefahr: Hier werden Buslinien ausgedünnt, da werden neue Strecken eröffnet. Die Fahrplanexperten streiten bereits jetzt, ob die Realisierung mit Eröffnung der U3-Verlängerung nach Moosach einfacher oder schwieriger wird…

Auf ganzer Linie für Anfänger

Zurück zu unserem Projekt, der Version für Anfänger: Das Trambahnnetz deckt hauptsächlich das Stadtgebiet ab und lässt sich — da man nicht auf Regionalbusverbindungen angewiesen ist — an jedem Tag abfahren. Auch die Fahrzeit ist human, selbst bei einem Start am Nachmittag lässt sich »Auf ganzer Linie« noch problemlos durchführen. Johannes arbeitete hierfür folgenden Samstagsfahrplan aus:

Fahrplan (Plan: Johannes Schumm, Bearbeitung: Daniel Schuhmann)

Fahrplan (Plan: Johannes Schumm, Bearbeitung: Daniel Schuhmann)

Viele knappe Anschlüsse gibt es nicht, alles erscheint auch bei geringer Verspätung erreichbar. Wirklich kritisch wirkt nur der Übergang am Scheidplatz, an der Schwanseestraße könnte zudem eine geringe Verspätung des Busses in Verbindung mit der Ampelanlage Ständlerstraße einen Anschlussverlust bedeuten. Dennoch: Jedes Verkehrsmittel fährt mindestens im 20-Minuten-Takt…

Zwei Gewinner, keine Verlierer

Die beiden Gewinner stehen fest: Johannes war pünktlich am Max-Weber-Platz und Ben stieg (geplant) an der Wörthstraße zu. Da der Max-Weber-Platz vom Effnerplatz aus nochmals passiert wird, ist dennoch die Forderung, an jeder Haltestelle einmal gehalten zu haben, erfüllt.

Eigentlich hätten wir hier schon zu dritt unterwegs sein sollen, aber Daniel legte einen schlechten Start hin. Aufgrund »Polizeilicher Ermittlungen« war der Bahnhof Heimeranplatz gesperrt, zwei davor stehende S-Bahnen zwangen Daniels Bayerische Oberlandbahn zu einem Halt in Mittersendling. Eine dritte S-Bahn hielt am Gegengleis desselben Bahnhofs und fuhr nach wenigen Minuten zurück nach Wolfratshausen: Eine schnelle Möglichkeit, hier wegzukommen, denn der nächste Halt ist der Bahnhof Siemenswerke, wo es eine Umsteigemöglichkeit zur U3 (Bahnhof Obersendling) gibt. Die Abfahrtszeit der U-Bahn um 8:22 Uhr ist schon nahe an der Abfahrt am Max-Weber-Platz, aber einen Versuch ist es wert. Ab zum Sendlinger Tor, runter zum Bahnsteig der U1/U2. Eine Bahn steht abfahrbereit da, »Mist, die U2, egal, trotzdem rein«, bei der Ausfahrt auf den Anzeiger geschaut, »nächste U1 in 6 Minuten«, also ab durch die Mitte zur Silberhornstraße. Ein kurzer Testanruf am Kolumbusplatz verrät, dass sich der zu erreichende Zug bereits am Ostfriedhof befindet — das wird mehr als knapp. An der Silberhornstraße an der Oberfläche sind dann auch nichtmal mehr rote Lichter zu sehen. Also mit dem nächsten Zug hinterher zur Großhesseloher Brücke (die nächste 25 nach Grünwald geht erst in 20 Minuten). Dort angekommen kann zumindest etwas gegen den Hunger getan werden, ein kurzer Fahrplanabgleich ergibt noch die Möglichkeit, zur Robert-Koch-Straße vorzufahren.

So geschah es dann auch: An der Grünwalder Robert-Koch-Straße waren wir schließlich zu dritt und im Plan. Letzteres ist besonders wichtig, gab es doch Vormeldungen von weiteren Mitreisenden, vor allem aus der Studentenfraktion. Der Anschluss am Klinikum Harlaching ist zeitlich problemlos, die Position der Bushaltestelle allerdings suboptimal. Der »flexible Omnibus« könnte durchaus ein Stückchen näher an der Trambahnhaltestelle abfahren. Die Fahrt zur Schwanseestraße gestaltet sich problemlos, es geht durch schöne Ecken von München. Die geringste »Reisegeschwindigkeit« dürften wir indessen an der Ampelanlage an der Schwanseestraße erreicht haben. Dennoch erreichten wir den 27er pünktlich und fuhren den gesamten Linienast bis Petuelring durch. Am verkehrsgünstig gut erreichbaren Hohenzollernplatz stieg indessen Sam mit zu.

»Stotternde DFI« am Petuelring (Bild: Daniel Schuhmann)

»Stotternde DFI« am Petuelring (Bild: Daniel Schuhmann)

Wieder geht es mit der »Gummibahn« weiter: Die Linie 177 bringt uns zur Haltestelle »Schwabing Nord«, Endhaltestelle im Niemandsland. Noch. Denn der Abriss der ehemaligen Funkkaserne geht weiter voran.

Das letzte noch in Fragmenten stehende Gebäude unweit der Trambahnschleife (Bild: Daniel Schuhmann)

Das letzte noch in Fragmenten stehende Gebäude unweit der Trambahnschleife (Bild: Daniel Schuhmann)

Von hier geht’s wieder auf Eisenrädern weiter: Uns erwartet die neue Tram 23 zur Münchner Freiheit. Da der Zug nahezu leer ist, besetzten wir die »Lounge« ganz hinten im Zug — und weichen damit verhängnisvoll von unserem Plan ab: Als Treffpunkt wurde nämlich »Vorne im Zug« festgelegt und Florian, der an der Domagkstraße zusteigen wollte, sah uns in den ersten beiden Wagenteilen nicht. Als der Zug dann abfuhr, war es schon zu spät…

Die Neubaustrecke zur Münchner Freiheit ist schnell passiert, der Anschluss zur U3 lange genug, um die Getränkevorräte aufzufüllen. Wieder auf Eisenrädern, aber deutlich unter dem Bodenniveau, ging’s flugs weiter zum Scheidplatz.

Noch während wir zur Freiheit rollten, war von Florian Kreativität gefragt. Die Verbindung mit Bus 50 und U2 zum Scheidplatz stellte sich als konkurrenzfähig heraus, so dass er dort auf uns traf. Auch Boris hat diese Haltestelle als Startpunkt gewählt, so dass wir ab hier zu sechst unterwegs waren. Allerdings zehn Minuten später, als es der Plan vorsah, da wir den SEV-Bus 112 verpassten. Der Grund dafür war die Anfertigung von Bildern vom Abriss des Scheidplatz-Dachs:

Weniger wirds: Das Dach am Scheidplatz wird immer kleiner (Bild und verspätete Abfahrt: Daniel Schuhmann)

Weniger wirds: Das Dach am Scheidplatz wird immer kleiner (Bild und verspätete Abfahrt: Daniel Schuhmann)

Auf ganzer Linie mit Bus statt Tram: Durch die Bauarbeiten am »12er« muss derzeit auf den Schienenersatzverkehr ausgewichen werden.

Gleisbau an der Zufahrt zur Ackermannschleife (Bild: Daniel Schuhmann)

Gleisbau an der Zufahrt zur Ackermannschleife (Bild: Daniel Schuhmann)

Keineswegs pünktlich erreichten wir den Romanplatz, durch den großen (um 10 Minuten verschobenen) Puffer erreichten wir den nächstmöglichen Zug der Linie 17. Von dort ging es in einem Zug zur Amalienburgstraße und anschließend zum Effnerplatz. Am Sendlinger Tor konnten wir mit Khoi Anh unser siebtes Gruppenmitglied begrüßen.

Für höchst merkwürdig muss der Trambahnfahrer unsere Unternehmung gehalten haben, der uns am Effnerplatz mit einem komischen Blick musterte. Wir begaben uns dann in den Zug am Nachbargleis, denn die nächste Fahrt sollte mit der Linie 18 zum Gondrellplatz gehen. Mit unserer obligatorischen und selbstverschuldeten Verspätung erreichten wir diesen und fuhren mit demselben Zug zurück zur Lautensackstraße, wo uns Jonas als »Nummer acht« erwartete.

Vom gegenüberliegenden Gleis brachte uns die Linie 19 zur »Patrona Pasingensis«, der Mutter Gottes auf ihrer Säule am Pasinger Marienplatz. Knapp vier Stunden, bevor die Pasinger mit ihrer jährlichen Lichterprozession die Wiederaufstellung der Mariensäule feierten, erreichten wir den Pasinger Bahnhof. Nachdem sich die nächsten Minuten durchgehend »MVG-frei« gestalten sollten, erstanden Ben, Sam und Daniel gutes Augustiner-Bier in der am Bahnhof ansässigen Verkehrsgastronmie einer Deggendorfer Kette.

Für die Stammstreckenverbindung nach Laim wurde kein Fahrplan erstellt, die Abfahrt gegen 14:22 Uhr ermöglichte es uns jedoch, in Laim wieder planmäßig unterwegs zu sein. So wurde auch Moosach pünktlich um 14:36 erreicht. Das Bier konnte bis zur Abfahrt um 14:47 Uhr geleert werden, so dass uns ein R2-Zug der Linie 20 wieder in die Stadt bringen konnte.

Einfahrt in die Haltestelle Hugo-Troendle-Str. Vlnr: Boris, Johannes, Sam, Ben, Jonas, Florian und Khoi Anh. Hinter der Kamera: Daniel Schuhmann

Einfahrt in die Haltestelle Hugo-Troendle-Str. Vlnr: Boris, Johannes, Sam, Ben, Jonas, Florian und Khoi Anh. Hinter der Kamera: Daniel Schuhmann

Am Stachus verabschiedete sich Khoi Anh, um noch einige Aufnahmen der Sprachen-Tram (M-Wagen-Sonderfahrt) machen zu können. Alle anderen begaben sich auf die Zielgerade: Mit der Tram 19 zur St.-Veit-Straße.

Nicht ganz so verquer, aber auch nicht gerade auf dem direkten Wege, ging es zu Andis Krablergarten am Sendlinger Tor, um den Tag angenehm ausklingen zu lassen.


19 Kommentare zu “7 Stunden Tram: Auf ganzer Linie unterwegs”

  1. bayernlover sagt:

    Wie geil, und ich wohne nicht mehr in München, sonst wär ich vielleicht sogar mitgefahren 🙁
    Und Ben trägt einen Rock? 😉

  2. khoianh sagt:

    Pah, die eine zusätzliche Station von mir einfach verschweigen. Ich bin am Stachus eingestiegen. 😉

  3. Michi G. sagt:

    Freaks! 😛 Den ganzen Tag Trambahn fahren…

  4. Daniel Schuhmann sagt:

    @Khoianh: Hoppla, Tschulligung! 😉

  5. Don Martino sagt:

    O.k.ruhig bleiben! Erst mal kurz durchatmen, das wird alles wieder. Es gibt da eine gute Stelle in der Nußbaumstraße 7, da wird man sich gerne um Euch kümmern! Alter Schwede. Daß es mit Euch schon so weit ist, hat wohl niemand gedacht. Aber… Ihr kommt da raus! Habt Mut zu kämpfen. Das wird schon wieder, echt. Ihr müßt zuversichtlich sein. Das Leben kann so schön sein…

  6. Sam sagt:

    @Michi G.: Bist doch nur neidisch, weil du trotz deiner 2 Dienstteile nicht so viel Tram gefahren bist wie wir! 😀

  7. Don Martino sagt:

    Ihr habt übrigens vier Haltestellen mitsamt drei dazugehörigen Strecken vergessen: Leuchte, Grillparzerstraße, Sophienplatz und Kölner Platz!

  8. Daniel Schuhmann sagt:

    Auf ganzer Linie, nicht auf ganzer Strecke. 😉

  9. SEBASTIAN sagt:

    Ich muss schon sagen. Das ist eine ordentliche Leistung vor allem, wenn man die Organisationsarbiet beachtet.

  10. Johannes sagt:

    @Sam: Gut getroffen, im letzten Bild 😀

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