Herzlichen Glückwunsch, liebe Variobahn

Bilder, Variobahn Von: Daniel Schuhmann

Die Variobahn, die neue Tram für München? Lange haben wir sie nicht mehr gesehen. Dabei ist sie auf den Tag heute vor zwei Jahren im Straßenbahnbetriebshof 2 vorgestellt worden. Und sogar gefahren. Aus eigener Kraft. Vom Betriebshof bis zur St.-Veit-Straße und wieder zurück. Mit Fahrgästen. Sogar zwei Mal.

Wagen 2302 im Einsatz auf der Linie 21. In wenigen Augenblicken erreicht er die Hanauer Straße.

Wagen 2302 im Einsatz auf der Linie 21. In wenigen Augenblicken erreicht er die Hanauer Straße. (Bild: Daniel Schuhmann)

Danach wagte sich die fünfteilige Trambahn vorerst nur zu Probefahrten aus dem Betriebshof. Anfangs nur nachts, später auch tagsüber. Doch die Einsätze blieben selten, aber ab und zu konnte sie doch erwischt werden.

Der erste Fahrgasteinsatz

Im Dezember 2009 brodelte schließlich die Gerüchteküche. Der erste Fahrgasteinsatz sollte kommen. Am Morgen des zweiten Dezember rückte sie tatsächlich aus und begab sich in Richtung Moosach — doch so ganz traute man der Bahn noch nicht, es handelte sich lediglich um eine Probefahrt. Einen Tag später hieß es dann tatsächlich »Bitte einsteigen«: Die Variobahn fuhr das erste mal im Fahrgasteinsatz auf der Linie 20. Allerdings nur zwischen den Kurswagen. Den Einsatz nach Fahrplan traute man sich erst ein paar Tage später zu.

Mit der Variobahn zur Tram 23

Pressefahrt zur Tram 23-Eröffnung. Viele haben sich den Einsatz der neuen gewünscht, aber stattdessen beförderte ein R3.3 die Pressevertreter nach Schwabing Nord. Doch kaum war die Presse verschwunden, fuhr die Variobahn heimlich hinterher. Zur Eröffnung der Strecke waren die Stadlertrambahnen dann aber doch mit Fahrgästen unterwegs.

In der Gebärmutter der MVG

Neun Monate hat es von der Lieferung zum Fahrgasteinsatz gedauert, aber das bedeutete nicht, dass der »Stadlerwogn« keine Kinderkrankheiten haben kann. So einige Male musste der Wagen wegen diverser Störungen vorzeitig einrücken. Solange er es noch konnte. Nicht immer kam die blaue Bim ohne Hilfe aus.

Auf zu neuen Strecken!

Im April 2010 begann das nächste Variobahn-Kapitel in München: Die Variobahn durfte die Linie 19 befahren. Dabei kam es auch zu interessanten Treffen. Gutes Wetter und der Einsatz mehrere Wagen ließen ausreichend Zeit für schöne Impressionen.

Zurück zu den Wurzeln

Zwischenzeitlich wurden die Züge auch ab und an wieder auf der Linie 20/21 eingesetzt. Einmal wegen Bauarbeiten an der Zufahrt zum Betriebshof 2, hier wurden die Züge in der Hauptwerkstätte abgestellt

Die Abstellung

…und dann schließlich kurz vor der Abstellung: Am 15. Juli 2010 wurde die Variobahn wieder auf die Linie 20/21 beordert, zwei Tage später war es vorbei: »Die Variobahnen sind vorübergehend abgestellt«. Bis heute.

Die Zukunft

Lange geht es nicht mehr ohne die fünfteiligen Stadlerwagen. Ende des Jahres soll die Trambahn nach St. Emmeram eröffnet werden und die MVG hat schon heute mit Wagenmangel zu kämpfen — schließlich stehen auch die Redesignwagen ungenutzt im Depot. Nun liegt es an der Technischen Aufsichtsbehörde, endlich die Genehmigung für die neuen Bahnen auszustellen, damit die Münchner Trambahn im dichten Takt in die Zukunft fahren kann…


10 Kommentare zu “Herzlichen Glückwunsch, liebe Variobahn”

  1. Nietenzähler sagt:

    Doch, Respekt. Sich teure, neue Fahrzeuge kaufen und die dann nur hinzustellen und anzuschauen, das kenn‘ ich sonst nur von Modellbahnern. Meine V90 ist auch noch kaum gefahren. 😀

  2. GuenterMuc sagt:

    Nachdem dieses Trauerspiel schon deutlich länger als ein Jahr dauert, kann es nicht nur an der TAB liegen, auch wenn die MVG dies vor allem zu Beginn gerne behauptet hat. Wäre dem so, könnte die MVG den Klageweg beschreiten. Aber offensichtlich zieht man es vor, es der Deutschen Bahn gleich zu tun, nämliche für viel Geld Fahrzeuge zu kaufen, die nicht den Anforderungen entsprechen oder schlicht falsch konstruiert sind, dann die Schuld bei anderen zu suchen und schließlich die Katastrophe zum Normalfall zu erklären. Und sollte dann das minderwerte Zeug, ggf. mit Nachbesserungen, tatsächlich mal auf die Schiene kommen, wird man ein Loblied auf sich selbst singen. Herr Grube lässt grüßen.

  3. Dominik H. sagt:

    19.03.2009 ich freier bin an dem Tag nach Nürnberg zum rumfuzzen gefahren heh heh heh.

  4. Claus sagt:

    @Nietenzähler: Der feine Unterschied ist, dass Modellbahner ihre Fahrzeuge normalerweise aus der eigenen Tasche bezahlen. Die unfähigen Verantwortlichen von der MVG werfen dagegen das Geld der Steuerzahler zum Fenster raus.

  5. NJ Transit sagt:

    @Claus: Das wäre mal gut, wenn der Steuerzahler mir meine MoBa finanziert! 😀

  6. wolke1062 sagt:

    Ich sehe es schon kommen, die Eröffnung der Tram nach St. Emmeram muß verschoben werden weil die Variobahn nicht die Freigabe erteilt kriegt. Wenn jeder Zug für jede Strecke einzeln freigegeben werden muß kann das noch dauern. Wie war das denn früher als die M- und P-Wagen neu waren, war da auch so ein Theater mit der Freigabe für jede Strecke?

  7. Rickay sagt:

    Früher wurdn Wang und Beiwang netzspezifisch hergstellt. Heit gibt’s nur no a Klump von da Stanga und kumt in a „Änderungsschneiderei“.

  8. Claus sagt:

    @Rickay: Mit Klump magst Du ja Recht haben, und früher war sowieso alles besser. Aber die P-Wagen z.B. sind soweit ich weiß auch nur lizensierte Nachbauten der Bremer GT4 – und ich denke nicht, dass man den P-Wagen im inzwischen ca. 45. Dienstjahr mangelnde Qualität nachsagen kann…

    Übrigens baut der Stadler sonst auch Trambahnen, die fahren. Aber die liefern das, was der Kunde wünscht. Und die MVG wollt halt mal wieder die Quadratur des Kreises haben: Muss ja unbedingt 100% Niederfluranteil sein, gleichzeitig soll sie die engen Münchner Kurven und die Steigungen schaffen. Von der Stange muss es auch sein, ne solide Eigen- oder Weiterentwicklung würde ja Geld kosten.

    Stadler gibt übrigens auf seiner Webseite für die praktisch baugleichen Nürnberger Variobahnen einen Kurvenradius von >=18m an (Münchner Version: >= 14,5m). Da kann man dann schon nachvollziehen, wieso die Genehmigungsbehörde das dann gerne etwas genauer gewusst hätte…

  9. Rickay sagt:

    @Claus:Des moan i do. De solide Weiterentwicklung, wia Du sogst, de fehlt. Das Münchner Netzt hot ebn seine Eigenheiten – da reicht a Änderungsschneiderei einfach need aus.
    Um bei Deina solidn Weiterentwicklung z’bleim, de hot augnscheinli beim P no sehr guat highaun.

  10. Randy sagt:

    Tram und Zukunft?
    Wenn man bedenkt, daß Stadlers Langstreckenfahrzeug bis heut nicht im Einsatz ist, und seit der Bestellung nun doch schon einige Jahre ins Land gezogen sind, kann man leider nicht wirklich von Straßenbahnzukunft sprechen. Hierfür müssten längst schon neue Strassenbahnen bestellt sein. Ich bin nach wie vor der Meinung, daß lieber ein Leoliner oder eine skoda -Tram gekauft werden sollte, als so ein Stadlerglump, das die meiste Zeit seiner Lebensdauer im Betriebshof steht und auf den Schienen fest rostet, wenns nicht ab und zu von den rangierern bewegt wird. 🙂

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