Variobahn erhält Zulassung durch das EBA

Fahrplan, Betrieb, Variobahn Von: Daniel Schuhmann

Lange war es still um die Variobahn. Der Hersteller Stadler, die Münchner Verkehrsgesellschaft MVG und die Technische Aufsichtsbehörde (Regierung von Oberbayern) schoben sich gegenseitig lange den Schwarzen Peter zu. Da durch die Eröffnung der neuen Trambahnstrecke nach St. Emmeram das ganze Projekt auf der Kippe stand, haben sich MVG und Stadler zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen.

Probebetrieb: Wagen 2303 ist noch ohne PZB-Ausrüstung auf der Linie 21 unterwegs

Probebetrieb: Wagen 2303 ist noch ohne PZB-Ausrüstung auf der Linie 21 unterwegs (Bild: Samuel Muth)

In Zusammenarbeit mit dem Eisenbahn-Bundesamt gelang es der MVG und dem Hersteller Stadler, eine Zulassung nach der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) anstatt nach BOStrab zu erhalten. Im Vorlauf fanden umfangreiche Gespräche mit der Albtal-Verkehrsgesellschaft, der Saarbahn sowie der Oberrheinischen Eisenbahn (OEG) statt. Insbesondere die OEG erwies sich als kompetenter Partner, da sie ebenfalls Fahrzeuge vom Typ Variobahn auf EBO-Strecken einsetzt. Auch in die Diskussion über die Sicherheitsbescheinigungen wurde die MVG im Rahmen der VDV-Tagung am 25. März 2011 einbezogen.

Ein großes Problem stellte die Bremsanlage der Variobahn dar. Zwar ist die bisher eingebaute Bremse stark genug dimensioniert, doch durch die geringe Achslast sind Flachstellen im Betrieb nicht vermeidbar. Die dauerhafte Nutzung der Magnetschienenbremse sorgt für hohen Verschleiß, so dass auf Technik des Siemens Velaro zurückgegriffen werden musste: Eine Wirbelstrombremse ermöglicht nicht nur eine starke und gleichzeitig verschleißfreie Bremsung, die Bremskraft kann im Gegensatz zur Magnetschienenbremse sogar fein dosiert werden. Platzprobleme unter dem Fahrzeug sorgten allerdings dafür, dass eine Spezialversion angeschafft werden musste: Die Wirbelstrombremse ist hier mit PZB-Magneten für die notwendige Zugbeeinflussing kombiniert.

Frisch eingetroffen: PZB-Magnete mit integrierter Wirbelstrombremse

Frisch eingetroffen: PZB-Magnete mit integrierter Wirbelstrombremse (Bild: Samuel Muth)

Im Bild sehr gut zu erkennen sind die zusätzlichen Anschlussleitungen, mit denen die PZB-Signale ausgewertet werden. Der Anschluss auf der linken Seite dient der Steuerung der Wirbelstromtechnik. Fast wäre die Umrüstung an der neuen Bremse gescheitert, doch inzwischen konnte der Hersteller genug Komponenten liefern, dass die ersten vier Serienzüge in der Hauptwerkstätte der MVG umgerüstet werden können.

Experten des EBA untersuchen die geänderte Bremseinrichtung

Experten des EBA untersuchen die geänderte Bremseinrichtung (Bild: Samuel Muth)

Von außen werden die umgebauten Züge durch die Drehgestellblenden leicht erkennbar sein. Das umgebaute Drehgestell lädt etwas weiter aus, wodurch die Blenden konvex gekrümmt werden müssen. Ähnliche Bauformen sind vom polnischen Hersteller Pesa bereits länger bekannt, inzwischen wurden sie auch beim Solaris Tramino erfolgreich übernommen. Das Lichtraumprofil wird hierdurch nicht geändert, womit keine neuen Messfahrten im Netz nötig werden.

Drehgestell nach dem Umbau: Die Änderungen im Bereich von Drehzapfen und Flexicoil-Federung sind deutlich zu erkennen

Drehgestell nach dem Umbau: Die Änderungen im Bereich von Drehzapfen und Flexicoil-Federung sind deutlich zu erkennen (Bild: Samuel Muth)

Dennoch muss jeder Streckenabschnitt einzeln zugelassen werden. Hier sind die Arbeiten auf der Linie 25 längst im Gang. Anfangs sollte die Linie 20/21 zuerst umgerüstet werden, allerdings waren hier zum Einen die Kosten zu hoch, zum Anderen müssen auf der Linie 25 ohnehin Fahrzeuge mit großem Fassungsvermögen eingesetzt werden, da es hier in der Vergangenheit Beschwerden gab. Im Zuge des Fahrplanwechsels 2012 ist ohnehin eine Taktverdichtung geplant, womit nur noch Variobahnen auf dieser Strecke im Einsatz stehen werden. Durch den Einbau der PZB und einer Eisenbahn-Sifa (der bisherige einfache Totmannschalter ist bei EBO-Strecken nicht mehr zugelassen) kann auch die Streckenhöchstgeschwindigkeit angehoben werden: Im Abschnitt zwischen Schilcherweg und Grünwald sollen die Züge mit bis zu 100 km/h unterwegs sein.

Der Fahrerstand unterscheidet sich in markanten Details von der bisherigen Version. Neu ist auch das zusätzliche SIFA-Pedal auf der rechten Seite, links ist das Pedal für die Klingel

Der Fahrerstand unterscheidet sich in markanten Details von der bisherigen Version. Neu ist auch das zusätzliche SIFA-Pedal auf der rechten Seite, links ist das Pedal für die Klingel (Bild: Samuel Muth)

Dem Umbau soll zunächst ein umfangreicher Testbetrieb folgen. Die umgebauten Züge sollen zunächst nur zwischen regulären Kurswagen eingesetzt werden, der Start ist für Montag, den 2. Mai 2011 geplant. Nach und nach sollen dann weitere Wagen zusätzlich auf den Umlauf geschickt werden, die komplette Umstellung ist hingegen erst nach Lieferung aller Variobahnen im Oktober geplant. In diesem Zeitraum können mit den freiwerdenden R2.2-Zügen bereits Probefahrten auf der Neubaustrecke nach St. Emmeram durchgeführt werden. Die Taktverdichtung auf der Linie 25 erfolgt dann wie geplant im Dezember 2011.

Die Wagennummer 2304 wird erhalten bleiben. Die vollständige Bezeichnung 92 80 0451 004-6 D-MVG ist nur auf der Seite angeschrieben

Die Wagennummer 2304 wird erhalten bleiben. Die vollständige Bezeichnung 92 80 0451 004-6 D-MVG ist nur auf der Seite angeschrieben (Bild: Samuel Muth)


47 Kommentare zu “Variobahn erhält Zulassung durch das EBA”

  1. Taschenschieber sagt:

    Feststellung des Tages: Am 31. März sollte man VOR Mitternacht ins Bett.

    (first?)

  2. Max_k sagt:

    Saugut gemachter Aprilscherz XD Respekt!

  3. Phil sagt:

    …und dafür lassen wir dann die Talent2-Triebwagen nach BOStrab zu, oder?!

  4. stefan sagt:

    april april oder warum steht nix auf http://www.mvg-mobil.de

  5. Maximilian Allwein sagt:

    Da hatte ich ja beinahe ein „Hund sans scho“ auf den Lippen, bis mir dann im Abschnitt über Grünwald doch etwas gedämmert ist: Ein Aprilscherz!!! Genial!

  6. Rickay sagt:

    April, April !!!

  7. Christian Thome sagt:

    Aber deutlicher kann man wirklich net einen Aprilscherz machen.

  8. Rickay sagt:

    Aba a Oans für die Müh‘!!

  9. Claus sagt:

    *wow*
    Erstmal danke für den ausführlichen Artikel.
    Aber ist die Zulassung nach EBO jetzt ein Geniestreich oder eine Verzweiflungstat? Bin mir da nicht sicher, kenn mich wohl zu wenig mit den Details aus um das zu beurteilen…
    Wenn ich das richtig verstehe bedeutet das doch, dass nun jede einzelne Strecke ebenfalls nach EBO zugelassen (und dafür ggf. umgebaut) werden muss, wenn die Variobahn darauf verkehren soll – oder?

  10. Chris75 sagt:

    Ein netter Aprilscherz! Wenn denn immer alles so leicht ginge…

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