Variobahn 2301 auf Weltrekordfahrt

Neubaustrecken, Variobahn Von: Daniel Schuhmann

Während man sich in Bayern noch Gedanken um die Zulassung der Variobahnen macht, geht der erste Wagen 2301 nördlich von Berlin auf Weltrekordfahrt: 18,98 Kilometer legte der Wagen »oben ohne«, nur mit Strom aus den Akkus, zurück — genug für einen Eintrag ins Guinnes-Buch der Rekorde!

Auf Weltrekordfahrt: Variobahn 2301 auf der Teststrecke zwischen Hennigsdorf und Velten bei Berlin (Bild: Michael Dittrich)

Auf Weltrekordfahrt: Variobahn 2301 auf der Teststrecke zwischen Hennigsdorf und Velten bei Berlin (Bild: Michael Dittrich)

Für den Weltrekordversuch musste der Akkumulator versiegelt werden, zudem fand die Fahrt unter notarieller Aufsicht statt. Sportlich war auch der Richtungswechsel — schließlich ist die Teststrecke lediglich 3,5 Kilometer lang — auszuführen: Maximal 5 Sekunden durfte die Bahn stillstehen. Aus diesem Grund wurde der Zug mit zwei Fahrern besetzt.

Streckenposten überwachten am Gleis den korrekten Ablauf und Kameras dokumentierten die Weltrekordfahrt. Mit der Weltrekordfahrt will Stadler nicht nur den Eintrag ins Guinnes-Buch erhalten, sondern auch die Eignung der Technik für die Trambahnstrecke durch den Englischen Garten demonstrieren: Die etwa einen Kilometer lange Strecke soll ohne Oberleitung gebaut und mit Variobahnen im Akkubetrieb bedient werden. Laut Stadler könnte der Zug die Strecke problemlos zweimal hintereinander ohne Nachladen befahren: Jeweils inklusive einem Haltestellenaufenthalt und einem weiteren Betriebshalt und unter Berücksichtigung des Streckenprofils. Zwischendurch müsste der Akku freilich über die Oberleitung aufgeladen werden.

Sobald die TAB die Zulassung der Variobahnzüge erteilt hat, kommt Wagen 2301 zurück nach München. Hier würden dann weitere Testfahrten stattfinden. Sollte die Technik allen Anforderungen genügen, strebt die MVG einen erneuten Antrag auf Planfeststellung für die Nordtangente samt »Gartentram« an.

Herbert König: »Der heutige Versuch hat gezeigt, dass uns die Lithium-Ionen-Batterie locker in die Lage versetzt, einen fahrleitungslosen Betrieb im Englischen Garten zu realisieren.« (Bild: Michael Dittrich)

Herbert König: »Der heutige Versuch hat gezeigt, dass uns die Lithium-Ionen-Batterie locker in die Lage versetzt, einen fahrleitungslosen Betrieb im Englischen Garten zu realisieren.« (Bild: Michael Dittrich)

MVG-Chef Herbert König dazu: »Klar ist: Im Unterschied zum heutigen Rekordversuch, bei dem die technisch heute mögliche Reichweite einer Tram-Batterie demonstriert wurde, kommt es für die praktische Anwendung darauf an, dass die Batterie exakt auf die örtlichen Anforderungen abgestimmt, passgenau – auch in Bezug auf die mögliche Achslast der Fahrzeuge – und möglichst wirtschaftlich dimensioniert ist. Dabei ist es wichtig, dass die Batterie im Normalfall nur teilweise, zu ca. 10 bis 15 Prozent, entladen wird, weil dann ihre Lebensdauer am höchsten ist. Genau so ist diese Batterie für den Bezugsfall ‚Nordtangente München’ ausgelegt und optimiert: Entladung durch Querung Englischer Garten ohne Fahrdraht im Normalfall nur bis auf ca. 85-90 Prozent ihrer Kapazität, dann Wiederaufladung unter dem Fahrdraht der übrigen Strecke. So wäre ein stabiler Betrieb mit ausreichenden Reserven und optimierter Batterielebensdauer möglich. Dieser Nachweis wurde heute erbracht!«

Die Teststrecke ist mit Oberleitung (15 kV und 25 kV sowie Gleichspannungen zwischen 600 Volt und 3 kV) und Stromschiene ausgerüstet. (Bild: Michael Dittrich)

Die Teststrecke ist mit Oberleitung (15 kV und 25 kV sowie Gleichspannungen zwischen 600 Volt und 3 kV) und Stromschiene ausgerüstet. (Bild: Michael Dittrich)


9 Kommentare zu “Variobahn 2301 auf Weltrekordfahrt”

  1. Claus sagt:

    <GRANTL>
    Dass der König sich traut, dazu auch nur einen Pieps zu sagen, während sein Laden hier in München es nicht schafft, auch nur für die normale Variobahn eine normale Zulassung zu bekommen… Da fällt mir echt nix mehr zu ein…
    </GRANTL>

  2. Dustin Hermann sagt:

    Hoffentlich erhällt die Variobahn von der TAB im Juni die Zulassung sodass schnellstmöglich dem „im Depotsteherei“ ein Ende gemacht wird. 🙂 Die externen Gutachten sollen ja in Bearbeitung sein. Heisst eigentlich „vorläufige Zulassung“ das die Züge die sie bekommen haben auch jederzeit von der TAB wieder zurückgezogen werden können wenn es zu viele Unregelmäßigkeiten im Betriebsablauf gibt? Würde mich auf eine Antwort freuen. 🙂 Bin eingefleischter ÖPNV- Fan.

  3. Wolke1062 sagt:

    es ist schon ein Armutszeugnis für die MVG dass nach 2 Jahren immer noch keine Variobahn in München fahren darf, schmeißts des Glump weg und kaufts euch was g’scheits.

  4. Don Martino sagt:

    Es ist eben KEIN Armutszeugnis der MVG! Die Variobahn für München wurde seinerzeit lange im Vorfeld zusammen mit der TAB abgestimmt. Dabei wurde vor allem auf die Besonderheiten im Schienennetz Münchens Rücksicht genommen.

    Die heutigen Schwierigkeiten entstammen einem Personal- bzw.“Management“wechsel bei der TAB. War vorher alles kein Problem, sperrt sich der neue „Kopf“ gegen alles. Bürokratie ist bei der TAB eine Untertreibung, das ist Bürokratismus!

  5. Nahverkehr sagt:

    Der Versuch hat doch gezeigt, es geht und nun sollte doch die TAB endlich auch mal konstruktiv werden und nicht alles blockieren. Durch den englischen Garten diese Variobahn – wäre doch klasse!

  6. Claus sagt:

    @Don Martino: Doch, es ist ein Armutszeugnis für die MVG.

    1. Anscheinend gibt es über über die „Abstimmungen im Vorfeld“ keine schriftlichen Unterlagen. (Sonst könnte man die TAB ja darauf festnageln.)

    2. Die Münchner und Nürnberger Variotram-Versionen sind meines Wissens weitgehend baugleich. Nun wirf mal einen Blick auf die Spezifikationen, die Stadler für die beiden Versionen angibt (zu finden auf der Stadler-Webseite). Da gibts dann plötzlich deutliche Unterschiede in Sachen minimalem Kurvenradius und Kuppe/Senke-Radius. Ich kann zumindest nachvollziehen, dass man es da als Aufsichtsbehörde nicht bei einem „passt scho“ bewenden lässt sondern etwas genauer nachfragt.

    3. Wenn das Problem so einseitig auf Seiten der TAB wäre wie behauptet: Warum legt die MVG dann nicht die Karten auf den Tisch und führt die TAB z.B. in einer Pressemitteilung/-konferenz mal ordentlich vor? Warum erhebt die MVG nach > 1 Jahr Stillstand keine Untätigkeitsklage? Stattdessen versucht man, auch selbst möglichst wenig Aufhebens um das ganze zu machen – keine Pressemitteilungen, keine Details, niemand weiß (oder sagt) was genaues… Warum wohl?

  7. Waldorf&stadtler sagt:

    Habe gerade den Beitrag in München TV angeschaut und der Tram-Gehirn-Auzubi König macht sich wichtig.Selbst wenn irgendwann mal im Jahre 2525 (war ein One Hit-Wonder in den 70ern von Zager&Evans)die S-Wagen fahren sollten kann es passieren daß, die Stadler-Wagen nicht mal zur Martiusstrasse kommen weil kurz nach dem ausrücken irgendein Defekt auftritt (Da helfen Lithium-Ionen- Akkus auf dem Dach auch nichts). Andererserits wurde der König in den 90ern als´´TRAMBAHM-GOTT´´wie eine Götzenfigur von den sogenannten´´Tram und Straßenbahnfreunden´´angebetet (z.B.Beschleunigung der 20er. Linie 17 und Osttangente).

  8. NJ Transit sagt:

    @Claus:
    1. Und selbst wenn es diese Unterlagen gäbe, so wären sie nicht rechtlich bindend.
    2. München und Nürnberg sind zwei unterschiedliche TABs, da diese meines Wissens bei der Bezirksregierung liegt.
    3. Es scheint zwar Stillstand zu herrschen, allerdings werden gerade mehrere externe Gutachten erstellt, z.B. über die Stabilität der Brücken Münchens

  9. Don Martino sagt:

    @Claus…

    Du kannst ja mal versuchen, gegen eine Behörde zu klagen. Vorher empfehle ich aber dringend, „Michael Kohlhaas“ von Heinrich von Kleist zu lesen.

    Um die Rechtssicherheit war es hierzulande gar nicht schlecht bestellt. Aber mittlerweile hat sich das wohl gründlich geändert. Das ist in vielen Sparten so, nicht nur bei der TAB.

    Abgesehen davon trägt die MVG das betriebliche Risiko, und nicht die TAB. Das sagt ja schon der Name: Aufsichtsbehörde. Eine Versicherung, die Angst um eventuelle Ansprüche zu haben braucht, ist sie nicht.

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