Variobahn-Pingpong

Fahrplan, Betrieb, Variobahn Von: Daniel Schuhmann

Wenige Monate sind es noch bis zum Fahrplanwechsel, zum Start der ersten Phase der »Angebotsoffensive«. Doch für MVG-Chef Herbert König ist dies alles nicht mehr sicher, wird es Zeit für »Plan B«. Grund dafür sind die Variobahnen, deren Zulassung immer noch nicht erfolgt ist.

Variobahnpingpong zwischen TAB und MVG (Bild: Johannes Schumm, Daniel Schuhmann)

Variobahnpingpong zwischen TAB und MVG (Bild: Johannes Schumm, Daniel Schuhmann)

Vom Werk aufs Abstellgleis titelte die heutige Süddeutsche Zeitung. Weder TAB noch MVG konnten dies auf sich sitzen lassen und konterten mit Pressemitteilungen. Gegenseitige Schuldzuweisungen ähneln einem Ping-Pong-Spiel.

„Eine vorläufige Inbetriebnahme“ sei bis Mitte Dezember möglich, „sofern die MVG die geforderten Nachweise vorlegt“, so die Bezirksregierung von Oberbayern. Möglich ist es gewiss, aber ist es wahrscheinlich? Diese Frage wird sich die MVG gerade stellen. Für den schlimmsten Fall gibt es nun einen Notfallplan, einen Fahrplan, der bis zur Zulassung der Variobahnen gültig ist. Am meisten leiden müssen — wie schon so oft in der Vergangenheit — die Fahrgäste auf der Linie 12. Im nördöstlichen Abschnitt zwischen Scheidplatz und Leonrodplatz wird die Trambahn durch Busse ersetzt. Bis 15. März — denn ab da ist aufgrund neuerlicher Bauarbeiten ohnehin Schienenersatzverkehr angesagt.

Nicht gefährdet ist die Prestige-Neubaustrecke nach St. Emmeram. Verschoben werden im Plan B hingegen die Versärkungen der Linien 15/25 und der Linie 27. Auch der geplante Einsatz von R3.3- und S-Wagen auf der Linie 17 ist dann nicht möglich, weshalb hier eine Verstärkung durch eine Buslinie 117 geplant ist. Auch die P-Wagen werden weiterhin eingesetzt, als Fahrzeugreserve auch ohne Beiwagen.

Vor Werk aufs Abstellgleis (Süddeutsche Zeitung)
Vario-Tram bleibt im Depot (Münchner Merkur)
Münchner Trambahn-Krieg (tz)
MVG-Pressemitteilung
Pressemeldung der TAB


15 Kommentare zu “Variobahn-Pingpong”

  1. Stoffl sagt:

    Wenn man das recht versteht, besteht diese TAB mehr oder minder nur aus einem neu „besetzten“ Beamten, der das Sagen und die Willkür hat, da gesetzliche Regelungen fehlen. Wenn die MVG nun eine gesetzliche Regelung einfordert, ist das nicht nur notwendig, sondern sogar zwingend erforderlich. Denn nur in einem solchem Prozess können Betroffene wenigstens indirekt über Wahlverhalten mitentscheiden, bei blosser Willkür eines einzelnen Beamten nicht. Mutmaßungen über Parteizugehörikeit und politischem Willen sind unangebracht, genauso wie das aus irgendwelchen Motiven agieren eines Einzelnen. Insgesamt ist der Vorgang einem demorkatisch verfassten Staat unwürdig. Somit übersteigt der Vorgang das technische „Gerangel“ um einen Fahrzeugtyp und wird grundsätzlich bedeutungsvoll.

    Selbst wenn dieses erkennt, umsetzt oder es eingeklagt wird, vergehen Jahre. Betroffen werden viele sein, Auch bei geringerem öffentlichen Interesse wurden in Bayern schon Volksentscheide gesetzlich relevant.

    Egal ob bis Dezember etwas zustande kommt oder nicht, der Vorgang alleine ist so nicht in Ordnung und ignoriert vom Grundsatz her unser Grundgesetz aka. Verfassung. Ein solches Verhalten ist in anderen Berichen undenkbar und legal unmöglich. Ping-Pong ist ein Spiel mit zwei Teilnehmern, hier geht es jedpcj um sicher mehr hunderttausend Betroffene, die unter der leglislativ ungeregelten Willkür eines oder weniger Personen leine Minderung von Lebensqualität in Kauf nehmen müssten. Zu Recht findet dies nun dutschlandweit Beachtung, schade ist nur, dass es die Betroffenen nicht bemerken. Eine technische Diskussion ist hier nicht notwendig, sondern die Diskussion über den Vorgang generell

  2. Charly Zapf sagt:

    Wie wärs mit Plan C ? Gebrauchte und gut erhaltene Strassenbahnen aus Polen und Rumänien anschaffen ? 😉

  3. Alex sagt:

    Oder plan D?
    NBS Kriegt auch keine Genehmigung, MB 59 fahrt weiter, Tram Netz bleibt wie es ist.

  4. Charly Zapf sagt:

    Oder Plan E : BRT in der Landsberger , Dachauer und Arnulfstr 😉

  5. Claus sagt:

    Also unterm Strich sehe ich einen erfreulichen Punkt: Es scheint Bewegung in die Sache zu kommen.

    @Stoffl: Gut gebrüllt, Löwe 😉

    Wobei ich Dir nicht 100%ig zustimme. Es scheint ja (lt. MVG-Pressemitteilung) von der Behörde bereits 2006 eine „sachkundige Stelle“ beauftragt worden zu sein, die auch eindeutige Anforderungen definiert hat.
    Und der Streit geht nun schlicht darum, ob entweder die MVG diese Bedingungen bis jetzt nie erfüllt hat, oder aber die TAB ständig nachträglich neue Bedingungen stellt.

    Insofern ist zwar die anfängliche Definition der Anforderungen willkürlich, aber darin gleich ein generelles Demokratieproblem zu sehen, ist etwas hochgegriffen, oder? Jedes Finanzamt arbeitet genauso.

    Wenn die Streithähne nicht zu einem vernünftigen Kompromiss kommen, muss die Frage „Anforderungen erfüllt?“ eben ein Gericht klären. Und was ich daran überhaupt nicht verstehe ist, warum die MVG in diesem Punkt die TAB nicht längst verklagt hat bzw. wenigstens mit einer entsprechenden Klage gedroht hat.

    Die freundliche Antwort wäre: Man hat halt zwei Jahre lang immer wieder gedacht, mit Freundlichkeit und guter Zusammenarbeit die Behörde doch noch zu überzeugen. Schwerer Fehler, jeder weiß, dass solche Beamten immer nur den Weg des geringsten Widerstandes wählen, d.h. sie bewegen sich erst, wenn sonst Ärger droht.

    Die weniger freundliche Interpretation: Man weiß bei der MVG sehr gut, wo man „die Leichen im Keller“ versteckt hat und fürchtet, mit Pauken und Trompeten unterzugehen, wenns hart auf hart kommt…

  6. Andi Mayer sagt:

    was das Geld kostet, das die Variobahnen nicht fahren dürfen…Und wenn dann noch die Redesigns dazu kommen…Wenn ich das Geld kriegen würde müsste ich wohl nie arbeiten…Die beste Idee ist echt das die Linie 12/16 mit SEV Bussen Besetzt wird.

  7. Roli sagt:

    Ich finde nachdem ich beide Pressemitteilungen gelesen habe das hier in Deutschland der Amtsschimmel erst sehr laut wiehren muss bevor was geht. Ich kann dem MVG auch nur raten dem Herrn bei der TAB mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde und einer Dienstfachaufsichtsbeschwerde erst einmal zu drohen und wenn dieser nicht in die Kontakte kommt diese auch einzureichen. Dann werden 99% diieser Personen eigentlich immer sehr schnell.

    Ich hoffe das man wenigstens beim Tag der offen Tür in der Einsteinstraße die Variobahn als Rollstuhlfahrer mal in Ruhe besichtigen kann.

  8. Johannes sagt:

    @ Charly Zapf:
    Plan C dürfte schwierig werden, da zurückgeholte vormals vollständig ausgemusterte Fahrzeuge laut Regelung genauso zugelassen werden müssen, wie Neufahrzeuge. -.- Und ob die alten Teile (so gern ich sie mag) den Prozess da schneller durchlaufen, würde ich bezweifeln 😉

  9. Claus sagt:

    @Johannes: Darum hält man in vernünftig geführten Betrieben solche alten Fahrzeuge als Betriebsreserve vor statt sie vorauseilend zu verschrotten, bevor man überhaupt die neuen Fahrzeuge im Einsatz hat.

    Als Nebeneffekt hätte man die Möglichkeit, sinnvollen Verstärkerverkehr zu fahren, z.B. zur Wiesn – statt jedes Jahr aufs Neue nur folgenlos über die überfüllte U5 zu jammern.

    Allerdings müsste man dazu (unter anderem) aufhören, notwendige Wendeschleifen abzubauen. Und endlich mal der Tatsache ins Auge blicken, dass man den Trambahnverkehr einer Großstadt nicht sinnvoll mit einem einzigen Betriebshof bewerkstelligen kann. Aber genug geträumt 😉

  10. andi sagt:

    Die momentane Situation bzgl. der zulassung der variobahn ist mehr als erbärmlich, aber sie ist von der CSU herbeigeführt. Die CSU verabscheut die Trambahn in München und sie tut alles dafür, um deren Erfolg zu verhindern. Wie sagte mal P. Gauweiler: “ Wir behalten ja die Straßenbahn(……)nur tiefer gelegt und schneller gemacht und mit einem „U“ davor.

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