Die nördlichste Straßenbahn Bayerns befindet sich in Würzburg. Dort fährt die Straba, wie sie die Würzburger liebevoll nennen, schon seit über 120 Jahren — 1892 noch als Pferdebahn eingeführt, wurde sie bereits 1899 elektrifiziert.
Heute ist die Innenstadt mit der Straßenbahn sehr gut erschlossen; wenn man den Bahnhofsplatz geradewegs Richtung Innenstadt verlässt, kommt man nach wenigen hundert Metern schon zur Juliuspromenade, dem zentralen Treffpunkt für alle fünf Straßenbahnlinien.
Hier beispielhaft mit einem GT-N-Vollniederflur-Wagen von 1996, die aufgrund ihres Aussehens gerne auch als Schuhschachteln bezeichnet werden, allerdings auch recht geräumig sind — links befindet sich das Juliusspital:
Passend zur Werbung für den Mainwein darf in der Stadt, die direkt an den Weinbergen liegt, natürlich auch das passende Endprodukt nicht fehlen:

Nur echt im Bocksbeutel: Ein Silvaner vom Weingut Juliusspital darf bei keinem Würzburg-Besuch fehlen (Bild: Johannes Schumm)
Die Vorgänger der GT-N sind die GT-E von 1988 und 1989, welche noch hochflurig sind, aber bereits über ein niederfluriges Mittelteil verfügen. Die Kirche St. Johannes im Hintergrund, meist einfach nur Stift Haug genannt (namensgebend war hier der Stadtteil Haug und die Tatsache, dass es sich um ein früheres Kollegiatstift handelt), ist am Ende des 17. Jahrhunderts erbaut worden und damit gute 200 Jahre älter als die Straba. Dennoch handelt es sich bei den GT-E um die ältesten Straßenbahn-Fahrzeuge, die in Würzburg noch regelmäßig und in großer Stückzahl im Liniendienst anzutreffen sind — wie hier als Linie 4 in der Juliuspromenade:
Auf dem Weg weiter durch die Fußgängerzentrum Richtung Stadtzentrum und Rathaus kommt man auch am Marktplatz vorbei, wo die beeindruckende Marienkapelle aus dem 14.-15. Jahrhundert steht:

Nicht verwechseln: Die gotische Marienkapelle mit ihren Läden im Erdgeschoss ist nicht der Dom! (Bild: Johannes Schumm)
Der in seinen Grundzügen romanisch aufgebaute Dom St. Kilian aus dem 11. Jahrhundert befindet sich nämlich noch einmal ein paar Häuser weiter:
Von hier ist auch der Main nicht mehr weit entfernt; am Alten Kranen, wo früher die Handelsschiffe be- und entladen wurden, fährt heute ebenfalls die Straßenbahn entlang:

Der Kran wurde schon länger nicht mehr genutzt; anstelle eines Güterumschlagplatzes befindet sich an dieser Stelle heute die Abfahrtsstelle der Ausflugsschiffe entlang der Weinhänge durch Mainfranken (Bild: Johannes Schumm)
Auf der anderen Seite des Mains thront über allem die Festung Marienberg, deren älteste Teile noch aus dem frühen 8. Jahrhundert stammen.
Doch in Würzburg gibt es nicht nur Trambahnen, auch Busfreunde kommen dank der noch in relativ großer Anzahl umherfahrenden Standard-II-Linienbusse vom Typ Mercedes-Benz O405GN voll auf ihre Kosten:

Am Bahnhofsplatz befindet sich ein zentraler Treffpunkt für viele Buslinien in Richtung Stadt und Region (Bild: Johannes Schumm)
Und neben allen Sehenswürdigkeiten gibt es in Würzburg auch ganz normale Wohngebiete, wie beispielsweise in Grombühl, in der Nähe des Uni-Klinikums.

In Grombühl fahren die Straßenbahnen im Einbahn-Betrieb durch die eine Straße hin und durch die nächste, ein paar Meter weiter oben am Hang gelegene, wieder zurück (Bild: Johannes Schumm)
Als Abschluss dient dieser Blick von der Friedensbrücke auf die im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte, aber sehr schön wiederaufgebaute Altstadt mit ihren Türmen:






30. Juli 2012 um 11:46 Uhr
Sehr gute Bilder !
30. Juli 2012 um 12:44 Uhr
wie immer top beitrag! mh und die schönen busse erst. O405GN ich kann nur schwärmen.
aber der schukarton ist ja echt ein unding! also optisch. lol wir bekommen internationale preise, aber die dinger fahren nicht!! man war das jetzt wieder böse.
31. Juli 2012 um 12:10 Uhr
vielen Dank für den schönen Bericht.Würzburg war auch zu meiner Studienzeit ein Paradies für Bus-Fans.wir sind mit über zwanzig Jahre alten Bussen immer an die Uni gefahren das war jeden Tag eine Zeitreise!
31. Juli 2012 um 22:41 Uhr
…und mit der Umsetzung der vielen geplanten Neubaustrecken sind DIE sogar noch lahmer als München…
2. August 2012 um 06:29 Uhr
Würzburg lässt sich kurz zusammenfassen:
schöne, lebsnslustige Stadt – greislige Trambahnen.
Die Stadt, die 1989 nach gut 15 Jahren die erste Neubaustrecke in Bayern bekam.