Vorhang auf fürs Münchner Fenster!

Bilder, Fahrplan, Betrieb, U-Bahn Von: Daniel Schuhmann

Das Münchner Fenster geht auf Sendung. Auf diesen profanen Satz warten die Münchner schon seit über zehn Jahren. Lange sah es aus, als würden sie statt ins Fenster in die Röhe schauen. Doch was lange währt, wird endlich gut: Heute startete das 2010 angekündigte Fahrgastfernsehen in den ersten U-Bahn-Zügen.

Andreas Orth (mc R&D GmbH) und Herbert König enthüllen die ersten Bildschirme des Münchner Fensters

Andreas Orth (mc R&D GmbH) und Herbert König enthüllen die ersten Bildschirme des Münchner Fensters (Bild: Daniel Schuhmann)

Eigentlich sollte es bereits im Jahr 2001 losgehen. Der zaghafte Versuch, die U-Bahn-Züge mit Infomonitoren auszustatten, endete jäh zwei Jahre später: Der zuständige Betreiber meldete Insolvenz an. Für den zweiten Versuch der Reise in ein neues Informationszeitalter setzte die Münchner Verkehrsgesellschaft auf einen stabilen Partner mit mehr Erfahrung: Die Berliner Fenster GmbH, zwischenzeitlich in der mc R&G GmbH aufgegangen, bot sich mit großer Erfahrung auf diesem Gebiet an.

Das Berliner Fenster ist in allen U-Bahnzügen der Hauptstadt zu sehen, es sind Bildschirme in 1106 U-Bahnwagen verbaut, 3786 Doppelbildschirme sind hier verbaut. Bei der Münchner U-Bahn sollen es knapp 2000 dieser Info- und Anzeigeflächen werden, dazu kommen noch knapp 750 bei der Trambahn. Erfahrung hat mc R&D nicht nur in Berlin gesammelt, auch in Dresden, Hannover und Leipzig betreut die Firma Monitore.

Andreas Orth erläutert die Technik und das Programm der Infobildschirme

Andreas Orth erläutert die Technik und das Programm der Infobildschirme (Bild: Daniel Schuhmann)

Das Fahrgastinformations- und Infotainmentsystem, wie es offiziell heißt, besteht aus zwei Bildschirmen. Der linke ist komplett der Fahrgastinformation vorbehalten: Hier findet sich der schon aus Bussen und Trambahnen bekannte Linienverlauf mit Endhaltestelle sowie die nächste Haltestelle. Neu ist die Darstellung der Anschlussverbindungen an der nächsten Haltestelle — basierend auf Echtzeitinformationen des Betriebsleitsystems, wie sie auch aus Diensten wie MVG-Live bekannt sind. Auch eine Tickerzeile kann eingeblendet werden, welche die Leitstelle jederzeit aktualisieren kann.

Darstellung des Linienbands

Darstellung des Linienbands (Bild: Daniel Schuhmann)

Anschlussübersicht an der Endhaltestelle Sendlinger Tor

Anschlussübersicht an der Endhaltestelle Sendlinger Tor (Bild: Daniel Schuhmann)

Auf dem rechten Bildschirm findet sich das Infotainment: Eine Mischung aus Nachrichten, Unterhaltung, Werbung — und auch aus ÖPNV-bezogenen Service-Informationen, die von der MVG bespielt werden. Immerhin 15 Prozent des Programms nutzt die MVG für die Kundeninformation und macht damit beispielsweise Werbung für neue Angebote zum Fahrplanwechsel, wie den Express-Bus X30.

Anzeige an der Münchner Freiheit, rechts die Werbung für den Expressbus X30

Anzeige an der Münchner Freiheit, rechts die Werbung für den Expressbus X30 (Bild: Daniel Schuhmann)

Für das Infotainment greift das Unternehmen auf Bewährtes zurück: Das Programm wird alle 15 Minuten wiederholt, mindestens 80 Prozent sind reaktioneller Inhalt, der Rest (ca. drei Minuten) sind Werbung. Denn, so Andreas Orth von mc R&D: »Die Menschen sind in Berlin und München ziemlich gleich.« — »In diesem Punkt!«, wie MVG-Chef Herbert König lachend klarstellt und gleichzeitig auf die Qualität des Münchner Fensters hinweist. Denn wo in den Berliner Bildschirmen Boulevard der BZ über die Bildschirme flimmert, werden die Münchner mit Nachrichten des Bayerischen Rundfunks und der Süddeutschen Zeitung verwöhnt. Hierfür wurde in München eine eigene Niederlassung gegründet, die mit den Nachrichtenanbietern eng zusammenarbeitet. Ergänzt wird das Angebot von Magazinbeiträgen, Veranstaltungs- und Kinotipps.

Die komplette Programmschleife des Premierenprogramms können Sie sich als Video ansehen.

Die Anzeigen im U-Bahnwagen

Die Anzeigen im U-Bahnwagen (Bild: Daniel Schuhmann)

Bisher sind 15 Doppeltriebwagen mit dem »Fahrgastfernsehen« ausgestattet, weitere 15 werden noch bis zum Jahresende umgerüstet und in Betrieb gehen. Die neuen C2-Züge werden bereits ab Werk mit den Monitoren ausgerüstet — so wie es auch bei den Trambahnen vom Typ Variobahn und Avenio der Fall ist. Andere Trambahnzüge wurden bereits, wie im Fall der R2-Redesignwagen, umgerüstet. Auch in die ersten R3-Züge wurden schon Monitore eingebaut, die weiteren werden noch folgen.

Presse-Sonderfahrt Olympiazentrum-Sendlinger Tor

Presse-Sonderfahrt Olympiazentrum-Sendlinger Tor (Bild: Daniel Schuhmann)

Für die Presse begann die Vorstellung während einer Sonderfahrt auf der Linie U3 zwischen Olympiazentrum und Sendlinger Tor — und auch für die Fahrgäste beginnt der Einsatz nur beschränkt auf die Linien U3 und U6. Denn bisher sind nur wenige Access Points, von der MVG auch gern als »Datentankstellen« bezeichnet, installiert. Sie finden sich an den Endbahnhöfen, in den Wendeanlagen sowie an Bahnhöfen im Innenstadtbereich. Bisher sind 35 aufgestellt, bis Ende des Jahres werden es 50 sein. Im folgenden Jahr kommen 150 weitere dazu, im Endausbau sollen es knapp 400 sein. Mit dem Ausbau können die Anzeigen in immer kürzeren Abständen aktualisiert werden, so steigt auch die Zahl der Haltestellen mit Umsteigeinformationen. Bei der Trambahn soll das System im Jahr 2014 starten, hier ist eine Datenanbindung über UMTS vorgesehen.

Anzeige Olympiazentrum

Anzeige Olympiazentrum (Bild: Daniel Schuhmann)


3 Kommentare zu “Vorhang auf fürs Münchner Fenster!”

  1. Luas sagt:

    Da ich hauptsächlich auf der Oberfläche mit den Öffentlichen unterwegs bin, hab ich mal ´ne Frage an die U-Bahn-Begeisterten: Werden eigentlich mit den neuen Fahrgastfernseher auch gleichzeitig automatische U-Bahnansagen installiert? Ich hab das mal so zumindest in der „Linie 8“ damals gelesen…

  2. ubahnwagen sagt:

    ich weiß nicht was ich davon halten soll! wieder was zum kaputt machen!

  3. Marian H. sagt:

    @Luan: Ja, die Fahrzeuge verfügen über eine Zielansage beim Öffnen der Tür, wie im C-Zug „U3 Richtung Moosach“. Abfertigen muss der Fahrer selber. Haltestellenansagen wie üblich im C-Zug auch nun im A-Zug.

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