C2-Präsentation: Die neue Münchner U-Bahn

Bilder, U-Bahn, Wissenswertes Von: Daniel Schuhmann

Gestern wurde der neue U-Bahnzug der MVG im Bahnhof Georg-Brauchle-Ring präsentiert. Nach dem früh angesetzten Pressetermin hatte ab 12 Uhr auch die interessierte Öffentlichkeit die Möglichkeit, sich den neuen Zug anzuschauen. Das Schmuckstück hört auf die Typenbezeichnung C2.11 und ist der Nachfolger des bewährten Typs C1, von dem die ältesten bereits im Jahr 2000 geliefert wurden.

U-Bahnzug 701 fährt in den Bahnhof Georg-Brauchle-Ring ein

Präsentation des neuen Typ C2: U-Bahnzug 701 fährt in den Bahnhof Georg-Brauchle-Ring ein (Bild: Daniel Schuhmann)

Bereits beim Betreten des Zuges fällt der erste Unterschied ins Auge, auch wenn das Grundkonzept des sechs Wagen langen und durchgehend begehbaren Zuges identisch ist: LED-Lichtleisten an den Türen zeigen deutlich die Freigabe, aber auch den Schließvorgang an und vereinfachen die Orientierung der Fahrgäste. Auch im Innenraum offenbaren sich deutliche Unterschiede.

Lichtbänder an den Türen

Lichtbänder an den Türen (Bild: Daniel Schuhmann)

Schließvorgang der Tür

Schließvorgang der Tür (Bild: Daniel Schuhmann)

So sind die Sitze in den Endwagen, die bisher aus Holz waren, nun auch mit Stoff bezogen, was sich bei der starken Beschleunigung des Zuges sehr positiv auswirkt: Bisher rutschte man beim Anfahr- und Bremsvorgang auf den Längsbänken der Wagen 1 und 6 sehr leicht.

Innenraum

Längsbänke im Kopfwagen (Bild: Marian Hergesell)

Stehhilfen im Eingangsbereich

Stehhilfen im Eingangsbereich (Bild: Marian Hergesell)

Stehhilfen im Mehrzweckbereich

Stehhilfen im Mehrzweckbereich (Bild: Daniel Schuhmann)

Auch die Mehrzweckräume an den Wagenenden sind nun großzügiger gestaltet. Viele der bisherigen Sitze sind nun Stehhilfen gewichen, wie man sie schon aus den Türbereichen des alten C-Zuges kennt. Damit ist wesentlich mehr Platz für Kinderwagen, Rollstühle und Fahrräder im Zug und die Fahrgäste können sich leichter in den nächsten Wagen verteilen. Zudem erhöht sich im Berufsverkehr die Platzkapazität: der Zug bietet 940 Plätze statt 912 beim C1-Zug — gerechnet mit luftigen 4 Plätzen je Quadratmeter. Bei 6 Personen je m² wären es sogar 1301 Plätze.

Frontpartie C2

Frontpartie C2 (Bild: Marian Hergesell)

Neuer und alter C-Zug nebeneinander im Bahnhof Georg-Brauchle-Ring: Links der C1, rechts der neue C2

Neuer und alter C-Zug nebeneinander im Bahnhof Georg-Brauchle-Ring: Links der C1, rechts der neue C2 (Bild: Johannes Schumm)

Blick aus dem Fahrerstand in den Tunnel

Blick aus dem Fahrerstand in den Tunnel (Bild: Samuel Muth)

Blick in den Fahrerstand

Blick in den Fahrerstand (Bild: Daniel Schuhmann)

Die Züge verfügen ab Werk über Videokameras, die als »Fahrgastfernsehen« bekannten Infomonitore und über aktive Brandschutzeinrichtungen (Sprinkleranlage). Auch wenn der auf der Siemens Inspiro-Plattform basierende Zug grundsätzlich mit 6 Wagen unterwegs sein wird: Als kleinste Betriebseinheit ist auch ein Betrieb einer dreiteiligen Einheit mit zwei Kopf- und einem Mittelwagen möglich. Jede Achse des Zuges wird angetrieben, womit jeder Wagen vier Fahrmotoren besitzt. Die maximale Leistung von 4500 PS ermöglicht dem Zug eine zügige Anfahrbeschleunigung mit 1,33m/s² — in knapp 15 Sekunden soll er von 0 auf 80 km/h beschleunigen können. Dabei verbraucht er dennoch wenig Energie, da die Wagenkästen als Leichtbaukonstruktion aus Aluminium gefertigt sind, während die Drehgestelle aus Stahl bestehen. Der komplette Zug ist mit einem Leergewicht von 180 Tonnen dennoch etwas schwerer als sein Vorgänger C1.

Hochauflösende Bildschirme

Fahrgastfernsehen: Hochauflösende Bildschirme (Bild: Marian Hergesell)

Die Züge, die anfangs komplett im Werk in Wien produziert wurden, schaffen auch in München Arbeitsplätze: Seit dem 7. Zug wird die Endmontage im Siemens-Werk in Allach durchgeführt. Die erste Bestellung umfasst 21 der neuen Züge, wenn sie sich bewähren, sind noch zwei weitere Optionen zu jeweils 23 Zügen möglich. Dann würden 67 der neuen Züge auf Münchens Gleisen unterwegs sein — umgerechnet immerhin 201 Doppeltriebwagen.

MVG-Chef Herbert König bei der C2-Vorstellung

MVG-Chef Herbert König bei der C2-Vorstellung (Bild: Daniel Schuhmann)

Musik im U-Bahnhof

Musik im U-Bahnhof (Bild: Daniel Schuhmann)


20 Kommentare zu “C2-Präsentation: Die neue Münchner U-Bahn”

  1. Andreas Knedlik sagt:

    Ich gehe mal davon aus, dass die Zahl an der Front die Liniennummer angibt (Bild „Frontpartie C2“)? Ist die Spiegelung im Fenster beim Blick aus dem Führerstand Absicht?

  2. Daniel Schuhmann sagt:

    Die Ziffer gibt die Kursnummer des Zuges an. Die Liniennummer steht neben der Zielanzeige im oberen Bereich.

  3. ubahnwagen sagt:

    die sitzpolsterung in den endwagen finde ich die beste neuerung bei den C2 zügen. hoffe das bei den C1 zügen die bei der nächsten HU ebenso nachgerüstet wird.
    wie schon mal erwähnt, ist die kopfform sehr gut gelungen. wohl von einer „taurus“ abgekupfert.
    ansonsten abwarten und tee trinken!!

  4. Ralf sagt:

    Das die Kursnummer sich so in der Scheibe spiegelt muss den Fahrer doch sehr stören?

  5. Daniel Schuhmann sagt:

    Aus der normalen Sitzposition des Fahrers am aufgerüsteten Fahrerstand spiegelt’s nicht.

  6. Rob sagt:

    Ich hab’s mir auch nicht nehmen lassen, in der Mittagspause zur Präsentation zu fahren. Mein persönliches Fazit: sieht zwar schick aus (insbesondere die LED-Beleuchtung), aber ich hätte mal gerne die MVG-Führung, die Designer, die Siemens-Leute, die Jurys der diversen Design-Preise usw. usw. in den Zug gepackt, bis die Dichte von 6 Personen/m² erreicht ist und sie dann eine normale Fahrt mit einem durchschnittlich begabten Fahrer (ohne LZB!) durchs Münchner U-Bahn-Netz machen lassen. Mal sehen, ob die Begeisterung über diesen Design-vor-Funktionalität-Zug immer noch so grenzenlos gewesen wäre? Haltemöglichkeiten hat der C2 nämlich nicht mehr als der „bewährte“ C1…

  7. khoianh sagt:

    Bei dem durchschnittlichen Füllgrad bspw. auf der U2 stören die fehlenden Vorrichtungen zum Festhalten gar nicht, weil man in den Wagen ohnehin nicht mehr umkippen kann, von daher halte ich es für eine durchdachte Entscheidung der Designer und der Verantwortlichen, erst gar nicht zu viel Platz für Haltestangen und Ähnliches zu verwenden – die die Kosten auch wieder nur in die Höhe getrieben hätten…

  8. train008 sagt:

    schade das man nun ganz auf die Holzsitze verzichtet hat. Eine Mischbestuhlung wie bei den R3.3 Trams wäre meiner Meinung nach das Optimum. So hätte man dann auch nicht bei den Längssitzen die Holzsitze (was bei den C1 wirklich ungünstig ist) sondern abwechselnd Reihensitze mit Stoff und mit Holz. Schade das nun nur der Stoff zum Einsatz kommt, und das sogar an den Anlehnbereichen an der Tür.

    Da frage ich mich schon warum man in München bei der Wahl des Materials der Sitze immer noch so Rückständig ist und nicht sich andere in der Hinsicht innovative Verkehrsbetriebe als Vorbild nimmt.

  9. Luas sagt:

    Der Vorteil von Holzsitzen ist, dass sie eine längere Lebensdauer als der Kollege Stoff aufweisen, da sie widerstandsfähiger sind gegen so manche Randalierer. Das merkt man vor allem noch in den P/p Zügen, dass die Bestuhlung noch sehr intakt ist, während beim C1 mit ihren Stoffpolster schon Gebrauchsspuren zeigt. Allerdings ziehe ich den Polster vor, da die bequemer und komfortabler sind und sich auch besser in die Innenraumgestaltung einfügen. Übrigens: Die neuen „Flexity Basel“ werden (nach Fahrgastwunsch) komplett mit Holzbestuhlung ausgeliefert!

  10. ubahnwagen sagt:

    die holzsitze wären ja kein problem, wenn man von diesen nicht beim beschleunigen und bremsen fast runterrutschen würde. denkt an die R3 züge!!! da ist man ja fast vom stuhl geflogen in den kurven. ferner finde ich unsere „holzsitze“ unbequem!! die form macht es halt! zerrissener stoff sind schneller ausgetauscht als im holz ein tiefer kratzer.

© 2008 - 2015 Tramgeschichten, Impressum, Theme & Icons von N.Design Studio und Freepik
Artikel RSS Kommentare RSS Anmelden