30 Jahre M8C in Augsburg

Bilder, Tellerrand, Wissenswertes Von: Daniel Schuhmann

Gestern veranstalteten die Freunde der Augsburger Straßenbahn e.V. anlässlich des 30-jährigen Einsatzjubiläums der M8C-Stadtbahnwagen eine Fotosonderfahrt. Die ursprünglich zwölf Wagen mt den Nummern 8001 bis 8012 wurden vor 30 Jahren — im Jahr 1985 — von Duewag in Zusammenarbeit mit MAN produziert. Bevor es zur Bestellung der Wagen kam, wurde im Mai 1980 der M8C-Wagen 1114 der Essener Verkehrs-AG ausgeliehen und im gesamten Straßenbahnnetz getestet.

Abfahrbereit steht der M8C an der schön gestalteten Haltestelle Messezentrum

Abfahrbereit steht der M8C an der schön gestalteten Haltestelle Messezentrum (Bild: Daniel Schuhmann)

In den folgenden Jahren ersetzten die modernen Stadtbahnwagen die ersten acht GT5 aus den 60er-Jahren. Die als Zweirichtungswagen ausgeführten M8C verfügen über Schiebetritte, die an den Haltestellen ausgefahren werden und so den Einstieg in den Hochflurwagen vereinfachen. Inzwischen sind viele Haltestellen barrierefrei ausgebaut, so dass die Schiebetritte nur noch selten benötigt werden.

Der Stadtbahnwagen an der Haltestelle Textilmuseum

Der Stadtbahnwagen an der Haltestelle Textilmuseum (Bild: Daniel Schuhmann)

Eine weitere Besonderheit der Augsburger Wagen ist der Einstieg im Hochflurmittelteil. Viele andere Betriebe erhielten hier die Einstiegsmöglichkeit erst durch Ein- oder Umbau eines Niederflurmittelteils. Ein geplanter Umbau für Traktionsbetrieb wurde wieder verworfen. Leider wurden die ursprünglich verwendeten bequemen Sitzpolster durch eine weitaus unbequemere Variante ersetzt.

Der letzte Abschnitt der Strecke nach Stadtbergen ist eingleisig. Der Stadtbahnwagen muss die Kreuzung mit Combino 850 abwarten, im Hintergrund ist bereits der unserem Wagen folgende 856 zu sehen

Der letzte Abschnitt der Strecke nach Stadtbergen ist eingleisig. Der Stadtbahnwagen muss die Kreuzung mit Combino 850 abwarten, im Hintergrund ist bereits der unserem Wagen folgende 856 zu sehen (Bild: Daniel Schuhmann)

Während das M in der Bezeichnung der Wagen für die Spurweite (Meterspur) und die 8 für die Zahl der Achsen steht, bedeutet das »C« die Variante mit Chopper-Steuerung: Durch sie können die Wagen ruckfrei beschleunigen und bremsen, zudem ist die Steuerung auch für das charakteristische Summen beim Anfahren und Bremsen verantwortlich. Problematisch an dieser frühen eletronischen Steuerung ist die mangelhafte Ersatzteilversorgung: Bei den Schaltwerkswagen desselben Hersteller (deren Bezeichnung wäre M8S) sind Reparaturen deutlich einfacher zu bewerkstelligen. So sind inzwischen von einst zwölf Fahrzeugen lediglich noch sieben Wagen im Einsatz: Die Wagen 8001 und 8011 wurden nach Darmstadt verkauft: Während 8001 in einen Schleifwagen umgebaut werden sollte, diente Wagen 8011 als Ersatzteilspender und wurde im vergangenen Jahr verschrottet. Auch die Wagen 8003, 8010 und 8012 haben Augsburg bereits verlassen: Sie wurden an die Straßenbahn Elbląg verkauft und dort umfassend modernisiert.

Treffen von KSW 506 mit dem Stadtbahnwagen am Ullrichsplatz

Treffen von KSW 506 mit dem Stadtbahnwagen am Ullrichsplatz (Bild: Daniel Schuhmann)

Ein weiterer Anlass der Sonderfahrt war das Jubiläum »25 Jahre 5-Minuten-Takt«. War in den 70er-Jahren die Zukunft der Straßenbahn noch ungewiss, so setzte in den 80ern ein Umdenken ein und neue Streckenerweiterungen wurden geplant. Am 1. September 1990 wurde schließlich der 5-Minuten-Takt auf allen Straßenbahnlinien von Montag bis Freitag eingeführt — Ausnahme bilden die Ferienzeiten. Diese Änderung brachte einen deutlichen Fahrgastzuwachs, wodurch im Frühjahr 1991 aus Stuttgart 40 GT4 übernommen wurden, die in Doppeltraktion fuhren.

Blick auf KSW und Stadtbahnwagen vom Turm der Basilika St. Ullrich und Afra (Bild: Frank Hohmann)

Blick auf KSW und Stadtbahnwagen vom Turm der Basilika St. Ullrich und Afra (Bild: Frank Hohmann)

Auf die verbleibenden Stadtbahnwagen kann in Augsburg derzeit noch nicht verzichtet werden: Sie sind an Schultagen ganztägig von den Linien 1, 2 und 4 im Einsatz; in Ausnahmefällen können sie auch auf der Linie 6 gesehen werden. Sie werden noch einige Jahre im Einsatz bleiben.

Kurzer Halt am Berufsbildungswerk

Kurzer Halt am Berufsbildungswerk (Bild: Daniel Schuhmann)

Etwas verlassen wirkt Wagen 8008 an der Fußballarena — finden Spiele statt, herrscht hier Hochbetrieb

Etwas verlassen wirkt Wagen 8008 an der Fußballarena — finden Spiele statt, herrscht hier Hochbetrieb (Bild: Daniel Schuhmann)

Wendefahrt am Messezentrum

Wendefahrt am Messezentrum (Bild: Daniel Schuhmann)

Anfang und Ende der Fahrt erfolgten am Betriebshof in der Schleife Schülestraße

Anfang und Ende der Fahrt erfolgten am Betriebshof in der Schleife Schülestraße (Bild: Daniel Schuhmann)


6 Kommentare zu “30 Jahre M8C in Augsburg”

  1. Trammerl sagt:

    …wer je mit den M8 mitgefahren ist, weiß die butterweiche Fahrweise über Weichen und Kreuzungen zu schätzen! DAS waren die besten Trambahnen überhaupt – frei nach Hilde Knef: „von nunan gings bergab!“…

  2. khoianh sagt:

    Die Niederflurbauweise, die ja bereits kurze Zeit später ihren Einzug fand, war nun einmal mit erheblichen Kompromissen verbunden und mittlerweile schwenkt man ja auch wieder dahin um, richtige Drehgestelle in Straßenbahnen zu verbauen.

  3. Rolli sagt:

    Bei uns in NRW laufen sie trotz NF Zugängen immer noch in großen Stückzahlen. Und Zeitlos sind sie immer noch!

  4. sic sagt:

    >> Und Zeitlos sind sie immer noch!

    vor allem sind sie viel zu klein für die Fahrgastmengen, die in Augsburg befördert werden. Die an sich großzügige Sitzplatzverteilung sorgt dafür, dass sich die Dinger zur Hauptverkehrszeit wie Sardinenbüchsen anfühlen. Und wer auch immer die harten Sitze bei der Modernisierung hineindesignt hat, hat nichts besseres verdient, als den Rest seines Lebens nur noch in solchen Sitzen zu sitzen. Damals (2002 afaik) hab ich mich über den schönen modernisierten Sitz gefreut, mich hineingeworfen, und aua – die Oberschenkelknochen taten mir noch Tage später weh…

    Doppeltraktionen waren eigentlich nur für eine ebenfalls geplante Bestellung von M6 geplant gewesen, die dann in Doppeltraktion gefahren werden sollten. In den frühen 2000ern wurden aber die Bahnsteige auf 52 Meter verlängert – was genau Doppeltraktionen von M8 bzw. GT6N bedeutet hätte. Eingesetzt werden aber nur die 43 Meter langen Combinos/Bombinos…

  5. Rolli sagt:

    Doppeltraktionen haben sich in Mühlheim/R. bewährt. In Essen dagegen gab es nur Probleme.

  6. Tiroler sagt:

    Als Teilnehmer dieser perfekten Sonderfahrt kann ich den Organisatoren nur ein großes Kompliment für die sehr gute Gestaltung der Sonderfahrt aussprechen!
    Die Mitfahrt hat sich echt gelohnt und es war ein sehr schöner Tag in Augsburg!

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